Hollandse- und Vechtplassen vom 30.08.08 – 12.09.08

Lange haben wir es geplant. Schon mehrmals ist es gescheitert. Aber diesmal haben wir es geschafft. Wir gehen mit drei Booten auf den Törn. Die technischen Probleme am Boot der Eltern sind soweit beseitigt, dass die Fahrt statt finden kann. Diesmal wollen wir über Amsterdam hinaus in Richtung Den Haag. Diese Gegend haben wir bisher mit den Booten noch nicht erkundet. Leider ist auch diesmal der Wetterbericht nicht positiv. Bis zuletzt haben wir gehofft, aber der Wettergott ist nicht gnädig mit uns. Trotzdem haben wir uns nicht entmutigen lassen und sind los gefahren. Auf Grund vieler Dinge, die zu erledigen waren, konnten wir erst am Samstag in De Klink anreisen, sodass es erst am Sonntag tatsächlich los ging.

30.08.2008 Da wir heute noch nicht los gefahren sind und das Wetter noch sehr schön war, haben wir noch Zeit und sind am Abend mit den Fahrrädern in den Nachbarhafen Aqua Centrum gefahren. Dort kann man im Hafenrestaurant in schöner Atmosphäre eine Kleinigkeit essen. Der Ausblick ist sehr schön. Auch die Spare-Rips haben gemundet. Damit hat der Urlaub schon mal richtig schön angefangen.

31.08.2008 Sonntag ging es dann endlich los. Unser Ziel war der Wasserrastplatz De Schelp im Gooimeer. Das waren immerhin 55 km. Aber wir müssen halt erstmal aus den Randmeeren raus. Auf dem Weg dahin müssen wir durch eine Schleuse. Hier gab es dann auch schon den ersten Schreckmoment auf dem Törn. Unser Vater hat versucht das Boot, an der Leine die an der Schleusenwand befestigt war, festzuhalten. Doch die Arme wurden immer länger. Ich habe noch gerufen: „Los lassen“, aber das Unheil war nicht mehr zu verhindern. Platsch und er nahm ein unfreiwilliges Bad in der Schleuse. Wir lagen auf der anderen Seite der Schleuse, sodass ich nicht eingreifen konnte. Lediglich Shampoo hätte ich ihm zuwerfen können. Vor Schreck habe ich auch keine Fotos gemacht. Doch zum Glück waren dort viele helfende Hände, so dass er über die Badeplattform ins Boot geholt wurde. Zum Glück gab es nur leichte Blessuren am Bein. So konnte die Reise problemlos fortgesetzt werden.

Ob der Segler auch gerade durch die Brücke gekommen wäre? Es sah auf jeden Fall sehr knapp aus.
Am Wasserrastplatz De Schelp angekommen waren wir überrascht wie viele Boote hier lagen. Nun gut. Es ist Sonntag und schönes Wetter. Es liegen noch eine Menge Tagesausflügler hier, die noch nicht zurück zum Hafen gefahren sind. So blieb uns nichts anderes übrig, als in zweiter und dritter Reihe zu warten, bis einige Boote die Heimreise angetreten hatten. Aber letztendlich gab es doch noch den ersehnten Liegeplatz und wir konnten in Ruhe den Grill auspacken.

01.09.2008 Am Morgen hat der Wind deutlich zugenommen. Unser Tagesziel für heute ist der Sixhaven in Amsterdam. Dafür müssen wir teilweise über das Markermeer. Da der Wind aus Westen kommt, fahren wir aus dem Goimeer heraus erstmal weiter gerade aus, um dann erst Richtung Amsterdam abzubiegen. So bekommen wir die Welle von vorne und dadurch ist die Überfahrt problemlos. Das Schleusen nach Amsterdam rein war durch den Wind nicht einfach, aber am Ende liegen wir nebeneinander im ruhigen windgeschützten Sixhaven. Wir planen zwei Nächte, damit wir morgen in Ruhe nach Amsterdam rein schauen können. Für uns ist es bereits der dritte Besuch hier. Weit im Hintergrund sieht man „noch“ das Dach vom Amsterdamer Bahnhof.

Am Abend haben wir uns dann eine Pizza bei Italiener gegönnt. Auch auf dieser Seite von Amsterdam gibt es eine Menge Geschäfte. So mussten wir nur 300 m laufen bis wir an der Pizzeria waren. Schöner wäre nur noch ein Pizzataxi gewesen, aber leider liefern die nicht. Die Pizza war wirklich lecker und so kann ich das Lokal nur weiter empfehlen. Interessierte finden die Speisekarte und Adresse beim Hafenmeister. Auf dem Rückweg mussten wir durch den von einem Zahlenschloss geschützten Eingang des Sixhaven. Nicht nur, dass rings um den Hafen, durch den U-Bahnbau, alles eine einzige Baustelle ist. Auch der Eingang des Sixhaven ist mehr als scheußlich und passt nicht zum restlichen Eindruck, den der Hafen auf uns immer wieder macht.

02.09.2008 Heute morgen ist es richtig stürmisch, aber noch trocken. Plötzlich schallt über den Hafen eine laute spanische Stimme. Wir drehen uns um und dort wo eben noch der Bahnhof war, fährt gerade ein Hochhaus an uns vorbei. Es ist die Costa Atlantica, ein riesiges Kreuzfahrtschiff von fast 300 Metern Länge, das schräg gegenüber dem Sixhaven fest macht. Die Passagiere kriegen wohl gerade über Lautsprecher Amsterdam erklärt. Ein imposanter Anblick. Am Abend verlässt der Kreuzfahrer Amsterdam im Regen.
Der Sixhaven hat einen schnellen, kostenlosen W-LAN Internetanschluss. So können wir die Ausfahrt der Costa Atlantica über deren Webcam durch den Noordzeekanaal bis zur Seeschleuse live verfolgen. Ein super Service, sogar mit abrufbarer Reiseroute.

Tagsüber hat es richtig geregnet. Aber was nutzt es. So sind wir im Regen durch Amsterdam spaziert. Bei Madame Tussaud kann man den Eintrittspreis sogar noch verhandeln. Doch wir waren schon müde auf den Füßen. Auch Blumenfreunde kommen nicht zu kurz. Eine ganze Straße am Kanal nur Blumenläden.

03.09.2008 Am Morgen ist es wenigstens trocken. Dank Internet können wir die Wetteraussichten verfolgen. Es sieht nicht gut aus. Die nächsten Tage soll es sogar noch stürmischer werden. Wir müssen eine Entscheidung treffen. Entweder wir fahren heute weiter oder unser Törn ist hier zu Ende, denn die Runde schaffen wir sonst nicht mehr. Es ist schnell besprochen. Wir sind heiß aufs Bootfahren und wollen weiter, mehr ins Landesinnere, wo der Wind nicht so stark bläst. Als Tagesziel wird Haarlem ausgemacht. So fahren wir weiter auf dem Noordzeekanaal vorbei an den Hafenbecken wo die großen Seeschiffe liegen. Wir können ja schön unter der Kappe sitzen und fahren, aber die Eltern fahren beinhart auf der Fly.
Über dem Noordzeekanaal führt auch eine der Anflugschneisen zum Flughafen Schiphol. So kann ich die ganze Zeit über die anfliegenden Flugzeuge beobachten. Für mich als Flugbegeisterten ein besonderes Schmankerl. Kurz bevor wir in den Zijkanaal abzweigen unterqueren wir die Landeschneise. Hier sind wir den Fliegern schon sehr nahe.

Und schon biegen wir aus dem Noordzeekanaal in den Zijkanaal ab und fahren weiter Richtung Haarlem. Kurz vor Haarlem gibt es einen schönen, kurzen Regenguss. Nicht gut fürs Fahren auf der Fly!?
In Haarlem haben wir Glück. Wir können uns an einen Frachter hängen. So kommen wir problemlos durch die Brücken. Leider sind alle Liegeplätze in Haarlem voll. Daher fahren wir weiter.

Doch direkt hinter Haarlem haben wir Glück. Ein neuer Wasserrastplatz, der nicht auf meiner Karte eingezeichnet ist. Man sollte doch immer die neuste Karte dabei haben. Sogar Strom gibt es. Der pure Luxus. Ich stelle mich mit dem Bug in den Wind, da es immer noch sehr stürmisch ist, denn verkehrt herum habe ich schon im letzten Jahr schlechte Erfahrungen gemacht. Auf jeden Fall sind Ohrstopfen angesagt. Es wird in der Nacht platschen, wenn die Wellen gegen den Rumpf klatschen. Hier haben wir endlich auch mal wieder Platz und Zeit um unsere Angeln aufzustellen.

04.09.2008 In diesem Urlaub bin ich der Brötchenholer. So schwinge ich mich am Morgen aufs Fahrrad und fahre erstmal gerade aus, in der Hoffnung irgendwo einen Bäcker zu finden. Und tatsächlich. Nach ca. 2km und 2x links abbiegen, hat mich mein inneres Navigationssystem zu einem Winkel (holländisches Einkaufszentrum) geführt. So gibt es frische Brötchen statt trockenem Brot. Nach dem Frühstück geht es weiter auf dem Kanal. Der Wind ist immer noch stark und es sieht nach Regen aus. Nach dem vielen Platsch, Platsch in der Nacht, wünsche ich mir einen ruhigen Hafen. Diesen hoffen wir in Leiden zu finden.
Plötzlich mitten drin taucht auf einmal eine Tankstelle auf und, doppeltes Glück, direkt daneben kann man sogar anlegen. So heißt es „I’m walking“. Wir tanken jeweils vier Kanister. Bei einem Preis von 1,519 pro Liter Euro Super kein billiges Vergnügen. Die Eltern müssen Super Plus tanken. Das ist im Preis ungefähr so wie Gold.

Weiter geht’s an schönen Landschaften vorbei. Wie toll wäre das bei Sonnenschein? Kurz vor Leiden schwimmt eine Gruppe Verrückter durch den Kanal. Erst haben sie sich mit Dreck beschmiert und dann schwimmen sie quer durch den Kanal. Unsere Boote scheinen sie nicht zu stören. Ich muss Gas raus nehmen damit alle heil bleiben.

Einmal rechts rum und zwei Brücken weiter sind wir im Passantenhafen von Leiden. Ein schöner Hafen direkt in der Stadt. Dadurch ist es hier wirklich windstill. Auch die sanitären Anlagen sind gut, wenn man sie denn erst mal gefunden hat. Von Außen zumindest mag man das kaum glauben. Der Ort hat eine sehr lange Einkaufsstraße. Normalerweise werden dort um 17:30 immer die Bürgersteige hoch geklappt, aber heute ist langer Donnerstag. Da sind wir in Deutschland schon weiter. Am Ende der Einkaufsstraße kommen wir an ein anderes Hafenbecken. Man kann Leiden theoretisch auch von Westen her anfahren. Rund um das Hafenbecken befindet sich die Fressmeile. Hier finden wir einen leckeren Griechen. Bei Grillteller, Rotwein und Sonnenschein lassen wir den Tag ausklingen.

05.09.2008 Bevor es heute los geht will ich noch mal schnell ein wenig angeln. Ich werfe meinen Jerk aus und plötzlich ein Ruck. Leider aber kein Fisch. Ich denke an einen Hänger, doch es wird der bisher größte Fang meines Lebens. Ein gut erhaltenes Fahrrad ziehe ich aus dem Hafenbecken. Wir haben schon zwei Fahrräder. Daher lassen wir es am Baum stehen. Die Besitzerin wird sich wundern. Erst ist das Fahrrad weg und dann stellt der „Dieb“ es wieder zurück.
Dann heißt es „Leinen los“. Heute fahren wir ans Meer. Unser Ziel ist der Hafen von Katwijk. Dafür müssen wir einmal komplett um Leiden herum mit entsprechend vielen Brücken.

Bei trocknem Wetter kommen wir in Katwijk an. Der Hafen ist sehr groß und liegt etwas außerhalb. Auch hier sind die sanitären Anlagen in Ordnung. Leider ist die Hafenbar seit dem 31.08. geschlossen. So müssen wir das Anlegebier an Bord trinken. Das Umfeld ist nicht besonders anziehend, aber direkt gegenüber ist eine Fischräucherei mit Verkauf. Der Duft von geräuchertem Fisch lockt uns sofort dort hin und verführt uns zum Kaufen von frisch geräuchertem Fisch. Da die Brücken Sonntags geschlossen sind, müssen wir entweder morgen weiter oder bis Montag bleiben. Wir wollen hier das Meer genießen und entscheiden uns daher, erst Montag weiter zu fahren. Am Nachmittag kommt dann leider der Regen zurück. So bleiben wir an Bord und nutzen die Zeit uns die Elektrik der Phönix anzuschauen. Witzig was für Teile in fast 30 Jahren Bootsleben so alles eingebaut wurden. Wir haben ein Teil, was immer warm wurde ausgebaut und das Boot läuft immer noch.

06.09.2008 Am Morgen schaute die Sonne noch zwischen den Wolken hervor. So sind wir mit den Fahrrädern nach Katwijk und zum Strand aufgebrochen. Katwijk hat einen schier unendlichen langen Strand. Man sieht in beide Richtungen unendlich weit nur Strand. Im Süden kann man am Horizont die Silhouette von Schewenigen sehen. Leider war es zum Baden zu kalt. Schade, gerade hier hatte ich mir schönes Wetter erhofft. Doch die Wolken wurden immer dichter. Wir haben es dann in der Stadt knapp geschafft eine Portion Kibbeling zu essen, bevor wieder der Regen kam.

So gab es dann wieder das übliche Bild. Boote im Regen. Die trocknen Momente haben wir zum angeln genutzt. Doch Peters Hecht blieb der einzige Angelerfolg am Wochenende. Trotz intensiver Bemühungen konnte kein zweiter Fisch an die Angel gelockt werden.

07.09.2008 Auch heute am Sonntag das gleiche Wetter. Ein neuer Versuch an den Strand zu fahren scheitert. Kaum sind wir an der Uferpromenade angekommen, fängt es wieder an zu regnen. Zusammen mit dem heftigen Wind ist das nicht sehr angenehm. So fahren wir wieder zum Boot zurück. Das Einzige was gut bei Regen geht ist Boot waschen. Aber warum wäscht Marina hier nicht das eigene Boot?
So langsam reicht mir das Rumsitzen bei schlechtem Wetter. Ich bin froh, dass es morgen endlich weiter geht.

08.09.2008 Zumindest trocken ist es heute Morgen. Wir sind auf dem Weg nach Gouda. Da die Zeit nicht reicht, um über Rotterdam zu fahren, nehmen wir die Strecke über Alphen a/d Rijn. Das bedeutet wieder, viel Leiden an den Brücken, zurück um Leiden herum. Wieder 11 Brücken, die für uns geöffnet werden müssen, bevor wir in den Oude Rijn nach Alphen einbiegen können. Das hält auf. Aber nicht nur wir wollen heute wieder aus Katwijk raus. So haben sich noch andere Boote an uns dran gehängt und wir sind in langer Kette durch die Brücken gefahren.
Der weitere Weg Richtung Alphen ist interessant und abwechselungsreich. Hier wird gerade gebaggert. Vor und hinter der Baggerstelle wurde mit einer Luftblasenkette anscheinend versucht zu verhindern, dass der aufgewühlte Schlamm sich über den Kanal verteilt.

Viele interessante Häuser am Kanal lassen die Fahrt nie langweilig werden. Hier sieht man ein außergewöhnliches Bürohochhaus. Ich bin mir nicht sicher, ob dies ein umgebauter alter Wasserturm ist oder ob es sich um einen Neubau handelt? Dann geht es durch Alphen, ein Ort, der durch seine Einkaufsmeile direkt am Kanal, zum Shoppen einlädt. Leider haben wir keine Zeit zum Verweilen, denn der Weg bis Gouda ist noch weit.

Kurz hinter Alphen biegen wir rechts ab in die Gouwe. Jetzt wird es merklich eintöniger. Auf einmal kommt uns eine ganze Armada von großen Segelyachten entgegen. Was machen die großen Yachten hier, so weit im Binnenland? Aber klar, dieser Kanal gehört zu den Kanälen der „Staande Mastroute“. Auf diesen können Yachten mit stehendem Mast quer durch Holland fahren. Ein optischer Leckerbissen sind hier die Ortsdurchfahrten mit den futuristischen Brücken. Diese müssen ganz schön hoch gehen, damit die Yachten mit ihren langen Masten durch passen.

Kurz vor Gouda noch eine besondere Brücke. Die Erste ist eine Drehbrücke. Danach kommt eine riesige Betonbrücke, die nach oben fährt. Viel Aufwand für die paar Yachten. Dann geht es nach Gouda rein. Ein, durch die vielen Brücken, langer Fahrtag geht zu Ende. Eine Schleuse und zwei Brücken noch bis zu unserem Tagesziel.

Auf dem Weg in die Stadt rein kommt die Sonne raus. Dann liegen wir, rückwärts eingeparkt, an einem schönen Platz in der Nähe des Zentrums von Gouda. Die Davids werden schön markiert, damit keiner davor läuft. Gouda ist eine lohnenswerte Anlaufstation, besonders der Marktplatz um die Kirche herum. Allerdings habe ich hier mehr Bezug zum Käse erwartet. In Gouda gibt es keinen Gouda. Lediglich einen einzigen Käseladen haben wir entdeckt.

Hier finden wir auch ein Balkan Restaurant. Von außen pfui, von innen hui. Sehr unscheinbar, aber das Essen ist wirklich gut und nicht zu teuer. Ein wenig Aktion gibt es auch noch. Das ist eine klare Empfehlung für Grillteller-Liebhaber.

09.09.2008 Endlich wird man mal wieder von der Sonne geweckt. Doch bevor es weiter geht ist noch eine kleine Reparatur fällig. Beim Anlassen habe ich plötzlich den Schalthebel in der Hand. Zum Glück ist das nicht in einer kritischen Situation passiert. Doch der Hebel ist schnell wieder montiert und wir können Gouda wieder verlassen. Uns erwartet ein schöner Tag. Nur noch an dem Frachter müssen wir vorbei. Der Frachter fährt Gott sei Dank nicht auf uns zu, sondern rückwärts.

Wir biegen nach links ab Richtung Julianasluis. Nach der Schleuse dann geht es noch mal links ab in die Hollandse Ijssel. Dort kommt uns mitten auf der Ijssel schon wieder ein dicker Pott entgegen? Das wird eng, aber nein halt, auch der fährt rückwärts. Irgendwie scheinen in Gouda alle großen Schiffe rückwärts zu fahren. Aber die Auflösung kommt schnell, wenn man weiter fährt. Hinter Gouda wird die Ijssel richtig eng. Weiter geht es hier für solch große Schiffe nicht. Daher fährt der Dampfer die 500m bis zu seinem Liegeplatz rückwärts.

Die Hollandse Ijssel gehört mit zu den schönsten Strecken über die wir bisher gefahren sind. Sie ist sehr schmal und die Umgebung ist sehr schön romantisch. Auch die Ortsdurchfahrten machen Spaß. Trotz langsamer Fahrt kommt hier keine Langeweile auf.

Weiter geht es durch schmale Ijssel. Mittendrin kommt kurz vor Montfort eine Wassertankstelle. Zur Sicherheit will ich noch was nachtanken. Doch dem Automaten schmeckt meine EC-Karte nicht. Pech für den Tankwart und Glück für mich, denn insgeheim wusste ich, dass das Benzin im Tank bis zum Ende der Saison reicht. Aber beim Benzin gehe ich gerne auf Nummer sicher. Von der Tanke ist es nicht mehr weit bis zum Wasserrastplatz in Montfort. Hier finden wir ein Stück wo alle drei Boote hintereinander passen. Sogar ein großes Lebensmittelgeschäft ist nur 100m entfernt. Damit sind die Frühstücksbrötchen für morgen früh gesichert.

Das Wetter ist schon den ganzen Tag sonnig. Endlich können wir mal wieder den Grill auspacken. Unter einem Baum finden wir einen geschützten Platz und können den Rest des sonnigen Tages genießen. Leider hat es später am Abend wieder angefangen zu regnen, sodass wir doch wieder alles zuknöpfen mussten. Auch das obligatorische Motorenproblem blieb nicht aus. Schon zwei Stunden vor unserer Ankunft fing der Motor an zu vibrieren und lief nicht mehr sauber rund. Ich weiß nicht woran es liegt. Über den Winter werde ich mir mal einen neuen elektrischen Verteiler bestellen und einbauen. Dann schauen wir mal wie es nächstes Jahr weiter geht. Vielleicht haben wir ja nächstes Jahr ein Kaffeeboot? Es sind ja nur noch zwei Tage bis De Klink. Wir entscheiden einfach so weiter zu fahren und hoffen, dass der Motor dadurch nicht weiter leidet.

10.09.2008 Nach dem Frühstück geht es weiter. Den letzten Kaffee kann man ja auch in Ruhe während der Fahrt trinken, denn auf dem schmalen Kanal geht es nur langsam vorwärts.
Die Ortsdurchfahrten auf der Hollandse Ijssel sind sogar auf 4,5km/h beschränkt. Witzig wie genau es die Holländer hier nehmen. Nur dank digitaler GPS-Anzeige könnte man überhaupt die Geschwindigkeit so genau einhalten.

Kurz hinter Ijsselstein biegen wir links ab in den Doorslag. Dieser führt an Nieuwegein vorbei und bringt uns zum Merwede Kanaal. Bis zum Amsterdam-Rijnkanaal sind es jetzt nur noch ein paar Brücken und die Zuidersluis.

Dann biegen wir auf dem Amsterdam-Rijnkanaal ein. Das Boot der Eltern ist zu hoch. Daher können wir nicht durch Utrecht fahren. So müssen wir ca. 10km auf dem Amsterdam-Rijnkanaal verbringen. Der Kanaal ist eine vielbefahrene Wasserstraße und sehr wellig. Das ist wenig gemütlich und so sind wir froh, als wir kurz vor Maarssen endlich in die Vecht einfahren können. Die Vecht hat den gleichen Wasserstand wie der Rijnkanaal. Daher ist hier keine Schleusung erforderlich.

Die Vecht ist der Fluss der vielen Schlösser. Jeder, der in Holland Boot fährt, sollte einmal die Vecht entlang gefahren sein. Für mich die schönste Strecke in Holland. An den Brücken scheinen die Brückenwärter sich schwarz etwas Geld zu verdienen. Trotz, dass auf der anderen Seite steht „Geen Bruggeld“, stehen die Brückenwärter mit dem Holzschuh da. Völlig überrascht suche ich hektisch nach Kleingeld. Auf meine Frage was es kostet bekomme ich die Antwort: „So viel sie wollen!“ Ja wie viel will ich denn? Gebe ich nichts, ruft er vielleicht seinen Kollegen an und die nächste Brücke geht nicht auf. Wir gehen auf Nummer Sicher und entscheiden uns für Großzügigkeit. Wir geben 2 Euro. Kurz darauf an der nächsten Brücke das gleiche Spiel. Wir werden geiziger und geben nur noch einen Euro. Auch hier steht auf der anderen Seite „Geen Bruggeld“. Zum Glück waren das die einzigen beiden Brücken. Das Ganze erinnert mich ein wenig an mittelalterliche Wegelagerei.

Hier gibt es so viele Schlösser zu fotografieren, dass unser Fotoapparat zu glühen anfängt. Dieses Schloss hat sogar einen eigenen Burggraben. Wir fahren bis zum Wasserrastplatz kurz vor Loenen. Genau gegenüber ist die Mijndense Sluis, die Einfahrt in die Loosdrechte Plassen. Es ist super Wetter und nach dem Anlegebier packen wir schnell das Angelzeug aus.

Die Frauen wollen essen gehen. Ich hätte lieber weiter geangelt. Leider habe ich verloren. So musste ich unter Protest, die schöne Angelzeit, mit essen verbringen. Na, wenigstens haben die Spare-Rips auf dem Monsterteller geschmeckt. Das Lokal allerdings lag direkt an der Straße. Alles was Krach machen konnte ist dann auch vorbei gefahren. Es war trotzdem gut besucht. Alle Stühle waren belegt. Nur an den reservierten Tisch hat sich keiner getraut. Aber was nutzt ein Tisch ohne Stühle. Also, beim nächsten Mal dran denken, auch Stühle mit reservieren lassen.

11.09.2008 Nach dem Aufstehen bin ich überrascht. Vater filetiert gerade einen 65cm Zander, den er in der Nacht gefangen hat. Peter hatte gestern noch einen Minihecht gefangen und ich einen 60er Aal. Doch der Zander ist etwas Besonderes, denn er ist der einzige Zander in diesem Jahr. Nach dem die Angelsachen verpackt sind und wir gefrühstückt haben, geht es weiter auf der Vecht. Der Fluss bleibt weiter so schön wie gestern, doch so langsam verschwindet die Sonne. In der Ferne sieht man schon die Schlechtwetterfront.

Hinter Nigtevecht kommen wir wieder an dem Segelboot, in Form eines holländischen Holzschuhs, vorbei. Diesmal ist es mit einer Plane abgedeckt, sodass die Form nicht gut zu erkennen ist. Wir kennen es aber schon von den Törns aus den Vorjahren. Wer Lust hat, wird in einem alten Törnbericht, das Boot besser abgebildet finden.
In Weesp müssen wir wieder unter der Eisenbahnbrücke durch, die mich auch schon mal eine Funkantenne gekostet hat. Die Phönix passt auch durch, doch die Crew muss hier die Köpfe einziehen.

Wir verlassen die Vecht durch die Zeesluis in Muiden und folgen einem Segler aufs Markermeer hinaus. Man sieht bei mir die geklappten Antennen, damit wir unter den Brücken hindurch kommen.

Und schon sind wir auf dem Markermeer in Richtung Gooimeer. Unser Tagesziel für heute ist Almere-Haven. Aus der Ferne sieht die Hafeneinfahrt von Almere-Haven nicht gerade einladend aus. Zuerst habe ich gedacht, die großen Häuser auf der rechten Seite sind Bauruinen. Doch beim Näherkommen sieht man, dass diese ganz normale bewohnte Häuser sind.

Kurze Zeit später legen wir im Passantenhaven an. Ich nehme einen Liegeplatz direkt neben der Sanitäranlage. Da haben wir es wenigstens nicht so weit zum Duschen. Die sanitären Einrichtungen könnten etwas besser gepflegt sein, sind aber mit der großen behindertengerechten Dusche noch in Ordnung. Wir haben schon Schlimmeres gesehen. Das ganze Wasser ist hier voller grün leuchtender Algen. Trotzdem versuche ich mein Glück beim Angeln. Leider ohne Erfolg. Die beiden anderen Boote liegen 50m weiter an der Mauer. Unten in den Häusern im Hintergrund gibt es jede Menge Restaurants und hinter der Häuserzeile befindet sich gleich die Einkaufsstraße. Es lohnt sich einfach mal ein paar Meter zu Laufen.

Es ist unser letzter Törnabend. Trotz großer Auswahl entscheiden wir uns zum Essen für das Pannenkoeken Schiff, welches hier im Hafen liegt. Pfannekuchen sind einfach, aber immer wieder lecker. Besonders Speckpfannekuchen haben es uns angetan.

12.09.2008 Dank der nahen City war das Brötchenholen wieder ein Kinderspiel. Später geht es auf die letzte Etappe zurück nach De Klink. Doch eine Überraschung hat das Wetter noch für uns. In der Nijkerkersluis macht der Himmel seine Schleusen auf. Es schüttet wie aus Kübeln. Die Frauen werden, beim Festhalten der Boote in der Schleuse, richtig nass. Kleiderwechsel ist angesagt. Da sitze ich als Kapitain doch besser trocken unter dem Verdeck. Während der Weiterfahrt kann ich aber kaum noch etwas sehen. Geradeso eben ist die nächste Tonne zu orten. Ich fahre möglichst rechts, damit nicht plötzlich ein dicker Pott vor uns aufkreuzt.

Das schlechte Wetter bleibt uns fast bis nach De Klink erhalten. Erst kurz vor der Hafeneinfahrt lässt der Regen etwas nach. So kommen wir gut in den Hafen rein. Nach 13 Tagen Fahrt liegen wir jetzt wieder fest vertäut im Hafen.

Uns bleiben nun noch zwei Tage in De Klink bevor wir wieder nach Hause müssen. Nach fast 350 Kilometern ist es auch wieder schön im Hafen zu liegen und wieder Zeit zu haben, die gewohnten Angelplätze anzusteuern. Vielleicht können wir noch den einen oder anderen Hecht fangen, der uns unterwegs nicht an die Angel gegangen ist. Leider war das Wetter auf dieser Reise nicht immer wirklich gut. Es waren zwar einige schöne Tage dabei. Nur Badewetter gab es leider nicht. Besonders das schlechte Wetter am Meer in Katwijk hat mich geärgert. Auf der Karte kann man sehr schön sehen, welche Route wir genommen haben. Es waren sehr reizvolle und romantische Ecken dabei. Zum Nachfahren kann ich die Strecke nur wärmstens empfehlen. Den Spruch, „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“, kann ich jetzt nicht mehr hören. Nach dem dritten Törn hintereinander mit eher durchwachsenem Wetter, fahre ich nächstes Jahr mal wieder in den Süden. Ich will auch mal wieder blaues Meer, Sonne und Baden. Trotzdem macht das Bootfahren immer noch Spaß und ich freue mich schon auf den nächsten Bootsurlaub.