Von Duisburg nach De Klink am Veluwemeer 20.04.07 – 22.04.07

Eins hat mir der Saisonbegin wieder gezeigt. Nach der Saison ist vor der Saison. Im Herbst muss man schon anfangen das Boot für die neue Saison vorzubereiten. Ein leichtes Tacken im Herbst, hat sich als extrem teure und langwierige Reparatur erwiesen. Im Frühjahr ist es schon zu spät. In der Saison hat man wenig Zeit für vernünftige Entscheidungen. Man macht zu viele Kompromisse. Auch die Entscheidung im Winter im Wasser zu bleiben war im nachhinein falsch. Das Boot leidet einfach. Im nächsten Winter kommt es auf jeden Fall in die Halle. Auch der UKW Funkschein hat sich wieder bewährt. Zweimal sind wir nun schon auf dem Rhein stehen geblieben. Ich würde nie wieder ohne Funk aufs Wasser gehen. Für den Törn hat uns das Buch „Der Rhein“ von Manfred Frenzl wieder viel geholfen. Dort ist auch die Ijssel enthalten. Dieser Törnbericht enthält auch die vergeblichen frustrierenden Startversuche in Richtung Holland.

Noch ist es nicht soweit. Noch liegen wir in der Meidericher Schiffswerft in Duisburg auf dem Land. Der Antrieb ist ab. Leider brauchen wir ein neues Unterwasserteil. Das Getriebe hat seinen Geist auf gegeben. So warteten wir auf das Ersatzteil. Alles war für Ostern vorbereitet. Auch einen Krantermin hatten wir. Doch leider ist das Ersatzteil nicht mehr vor Ostern gekommen.

Das sind die Übeltäter. Ein paar Zahnräder ab und schon ist der Bootsspaß vorbei. Und der Antrieb liegt im Kofferraum und hängt nicht am Boot.

Aber es gab Hoffnung. Donnerstag 12.04.07 habe ich ein neues Unterteil aus einer anderen Quelle bekommen. Abends habe ich es noch zum Michels gebracht. Wenn alles klappt wird es morgen eingebaut und das Boot ins Wasser gelassen. Samstag geht es dann tatsächlich nach De Klink??
Freitag Mittag (der 13. !!) war es soweit. Der neue Antrieb ist montiert. Dann geht es zum Kran der Meidricher Schiffswerft. Dort geht es richtig eng zu.

Wir werden von einem kleineren älteren Kran ins Wasser gesetzt. Dann ist es endlich soweit das Boot schwebt ins Wasser. Das weiße dicke Boot wird übrigens gerade für eine Werbe Roadshow fertig gemacht.

Da wir die neuen Zahnräder einfahren müssen und nur langsam fahren können, entscheiden wir uns noch am Freitag bis Wesel zu fahren. Das sind nur 40 km und somit bei Langsamfahrt in drei Stunden zu erreichen. Aber wie das Lebens so spielt. Wir fahren gerade mal 500 m auf dem Rhein. Nachdem Marina alle Fender klar gemacht hatte, erhöhe ich die Drehzahl von Leerlaufdrehzahl auf 1400upm. Da gibt es plötzlich einen Knall. Erst denke ich noch, dass eine Klappe aufgegagen ist. Kein Gedanke daran, dass dies der Antrieb sein könnte. Doch kurze Zeit später gibt es ein weiteren Knall, dann mehrere Kleinere. Wir entscheiden umzudrehen. Doch wir sind auf dem Rhein. Von Vorne und von Hinten kommen uns Frachtkäne entgegen. Ich schicke schnell einen Funkspruch über UKW Kanal 10 mit einer Warnung für die Berufsschifffahrt. Dabei kam ich kurz ins Stottern, weil wegen des Drehens und der Hektik, ich spontan gar nicht mehr wusste, ob wir nun auf Talfahrt oder Bergfahrt waren. Peter hat mich dabei durch einen zusätzlichen Funkspruch, mit noch mehr Infos für die Berufer unterstützt. Wir müssen mit defektem Antrieb Richtung Strommitte, weil am Rand ein schneller Talfahrer auf unserer Linie fährt. Doch schon nach 5 Minuten kommt die Wasserpolizei uns entgegen, die auch auf Kanal 10 mitgehört hat. Man hört und sieht auch wie die Berufsschifffahrt isch abspricht und uns ausweicht. Man was bin ich froh, dass wir ein UKW-Funkgerät an Bord haben, denn mehrere dicke Pötte waren auf unserem Kurs, die davon ausgehen, dass wir ausweichen. Mit Hilfe der Polizei fahren wir zum Michels zurück. Dort am Steg haben wir erst mal geschaut was los ist.

Schnell ist klar. Der Antrieb muss ab. Der Kranführer ist ruck zuck da und wir werden noch gleich am Freitag Abend raus gekrant. Das Boot wird aufgebockt da es doch länger stehen muss. Das wars. Die berühmten Schnitzel vom Bootshaus in Wesel werden noch länger auf uns warten müssen.

Schon von außen sieht man. Das Gehäuse ist ausgebeult. Daher wird der Antrieb abgebaut und wandert zur Nachschau in die Werkstatt. Leider ergibt das Ergebnis einen Totaldefekt der Zahnräder im Unterwasserteil.

Das sind die Übeltäter. Das Zahnrad von der Welle und ein Blick ins Gehäuse auf die Kupplung. Der Frust sitzt tief. Wir liegen weiter in Duisburg fest. Was wollen wir tun. Ich habe kein Vertrauen mehr in die OMC-Technik. Die Option, einen Volvo SX Umbausatz zu kaufen kommt wieder ins Spiel. Samstag 14.04.2007 telefoniere ich noch mit dem Lieferanten des OMC Unterwasserteils. Ich könnte Montag ein anderes bekommen. Wir vereinbaren, dass er Montag Morgen die Verfügabrkeit des Volvo SX Umbausatzes abfragt.

So haben wir das Wochenende frei und können mal zu Hause was im Garten machen. Abends kommen dann noch Petra und Peter zum grillen. Auch die Jugend freut sich, dass wir zu Hause sind.

Montag morgen dann der Anruf: Der SX ist Verfügbar. Ich muss mich direkt entscheiden, damit er noch heute losgeschickt wird. So sage ich spontan „Ja“, obwohl der Preisunterschied zum OMC schon heftig ist. Mittwoch morgen dann der Anruf. Der Volvo Antrieb ist da. Ich fahre sofort los um ihn abzuholen und bringe ihn direkt nach Duisburg zum Michels. Hier wird sofort los gearbeitet.
Und tatsächlich: Freitag nachmittag steht das Boot abfahrbereit am Steg. Am Abend fahren Peter und ich noch ein Auto nach Holland. Mal eben 170 km hin und 170 km zurück. Danach gehen wir aufs Boot, denn Samstag um 8:30 soll es los gehen.
Am nächsten Morgen 21.04.2007 geht es dann auch tatsächlich los. Auch die neue Einhebelschaltung ist top. Leider passt das Echolot jetzt nicht mehr an seine alte Position. Dafür muss ich noch einen neuen Standort suchen.

Nach einer Eingewöhnungsphase ging es dann zügig über den Rhein. Das kostet natürlich Benzin. Kurz vor der holländischen Grenze haben wir nachgetankt. Die Bootstanke liegt hinter km 864 in der Einfahrt zur Bijland Plas. Wir haben 92 Liter nach getankt. Der Preis von 1,48 Euro/Liter geht für eine Bootstanke in Holland auch noch in Ordnung.

Weiter gehts. Wir kommen, trotz der vielen Berufschifffahrt, gut voran. Kurz darauf teilt sich der Fluss. Wir fahren rechts in den „Pannerdens Kanaal“. Hier wird es deutlich ruhiger. Ganz selten kommt noch ein dicker Pott.

Später nach der Einfahrt in die Ijssel wird es dann noch ruhiger. Die Ruhe wird nur unterbrochen durch zwei Jetskifahrer, die sich an unserer Heckwelle erfreuen. Ich fahre extra ein Stück langsamer mit sehr hoher Welle, damit sie richtig drüber springen können. Bei der Landung taucht hier einer richtig unter.

Am Nachmittag haben wir unser Tagesziel, den Hafen von Hattem, erreicht. Dieser liegt am Appeldoorns Kanaal. Die Einfahrt ist so unscheinbar, dass wir fast vorbei gefahren wären. Nach 200 m in den Kanal rein kommt auf der rechten Seite die Hafeneinfahrt.

Es ist ein sehr idyllisch gelegener Hafen. Die Hälfte der Schiffe, die hier liegen, stehen allerdings zum Verkauf. Da haben wir uns gleich ein wenig umgeschaut. Die sanitären Anlagen sind einfach gehalten. Man darf nichts Besonderes erwarten.

Abends geht es dann in die Stadt, die direkt neben dem Hafen liegt. Durch das Burgtor führt der Weg in den Ort. Wir wollten kein großes Abendmahl. So suchten wir uns eine normale holländische Kneipe. Hier gabt es gute Schnitzel, Pfannenkuchen und Frikandel spezial. Alles war preiswert und lecker.

Der Blick in die Bilge am nächsten Morgen verheisst nichts Gutes. Dort stand gestern Abend noch Wasser drin. Das hatten wir abgepumpt. Heute Morgen ist zum Glück nichts dazu gekommen. Damit war schon mal klar, dass der Antrieb dicht ist. Nach dem Starten des Motors war der Schaden zu sehen. Eines der neuen Verbindungsstücke, die angefertigt wurden um den neuen Schlauch mit dem alten Schlauch zu verbinden, hatte eine defekte Lötstelle.

Zum Glück haben wir alles Wichtige dabei. Mit meinem 12V Lötkolben konnten wir das Teil mit Weichlot flicken. Zu meinem Erstaunen war es auch tatsächlich dicht.

Wieder an der richtigen Stelle eingesetzt und festgeschraubt konnte es endlich weiter gehen. Der blaue Schlauch ist der Volvoschlauch vom Umbausatz. Der Schwarze ist der alte OMC Schlauch. Die Größenunterschiede sind so groß, dass hier nur ein Adapter hilft.
Mit blumigen Erinnerungen verlassen wir Hattem. Man merkt, dass wir im Tulpenland sind. Die Übernachtung hier hat sich gelohnt. Hattem ist eine Empfehlung.

Heute am Sonntag lassen wir es ruhig angehen. Bis De Klink ist es nicht mehr weit. Wir fahren in Verdrängerfahrt über die Ijssel. Die Strömung schiebt uns hier noch mit ca. 2 km/h. Es ist windstill und wir sind die einzigen Boote weit und breit. Nach der Gleitfahrt gestern über den Rhein ist das Erholung pur. Vorbei geht es in Kampen am Yachthafen Seveningen wo wir in den letzten Jahren immer übernachtet haben.

Weiter geht es bis zum Ende des Keteldiep. Dann links ab ins Vossemeer. Danach kommt die Roggebotsluis mit dem dahinter liegenden Jachthafen Roggebotsluis.

Nach dem Passieren der Elbrug, die zur Zeit gerade für Autos gesperrt ist, geht es auf die letzten Kilometer. Durch die Sperrung müssen wir nachher über Harderwijk nach Hause fahren. Das sind ca. 15 km weiter. De Klink ist in der Ferne schon zu sehen.

Peter läßt es auf die letzten Meter nochmal gemütlich angehen. Dann sind wir endlich da. Nach 11 Stunden reiner Fahrzeit und 240 km haben wir es geschafft. Die Boote liegen wieder in De Klink. Der heutige Tag hat mir gezeigt, dass die Entscheidung für den Volvo SX letztendlich richtig war. Das lästige Gieren ist um 90% geringer. Endlich ist das Langsamfahren richtig entspannend.