Tour durch Noord Holland 11.08.07 – 25.08.07

Endlich ist es soweit. Eigentlich sollte unser Urlaub drei Wochen dauern. Da wir aber zum ersten Mal allein unterwegs sein mussten, haben wir den Sommerurlaub auf zwei Wochen verkürzt. Trotzdem wollten wir die schon lange geplante Fahr durch Noord Holland nicht ausfallen lassen. Wir haben keine exakte Route geplant. Nur grob habe ich mir die befahrbaren Kanäle auf der Karte angeschaut. Wir wollten uns keinem Stress aussetzen und jeden Tag neu entscheiden ob wir bleiben oder weiter fahren. Das hat auch ganz gut geklappt. Aber Brückenhöhen oder Schleusenöffnungszeiten im Vorfeld zu wissen kann manchmal nicht schaden. Diesmal haben wir an kritischen Punkten aber immer Glück gehabt.
Es gab nur wenige Eckpunkte dieses Törns. Wir wollten bis nach Den Helder hoch. Aus sentimentalen Gründen wollte ich unbedingt nach Edam, da ich hier schon mal ohne Boot war und die Stadtdurchfahrt unbedingt mit Boot machen wollte. Von dort sollte es dann übers Markermeer zurück Lelystad gehen. Geangelt habe ich auf dem Törn auch. In diesem Bericht werde ich allerdings nicht viel übers Angeln berichten. Den Törnbericht aus Sicht des Anglers gibt es hier.

11.08.07 Kein Stress. Nach dem Motto beginnen wir unseren Urlaub. Erst mal in Ruhe ausschlafen. Nach dem wir alles klar gemacht haben sind wir dann Mittags von De Klink aus gestartet. Unser Tagesziel war Stakenburg. Dies liegt kurz hinter der Schleuse. Letztes Jahr wollten wir dort schon mal übernachten. Allerdings war letztes Jahr die Schleuse gesperrt, so dass wir einen Hafen vor der Schleuse angelaufen sind um rechtzeitig zum Deutschlandspiel im Hafen zu sein.
Dieses Jahr läuft es besser. Die Schleuse funktioniert und so laufen wir am späten Nachmittag nach 37km Fahrt in Stakenburg ein. Oder besser gesagt: Wir wollten einlaufen. Denn gleich an der Einfahrt nach Stakenburg fängt uns der Hafenmeister in Uniform ab und wir müssen direkt an der Einfahrt fest machen. Da wir nicht wissen ob in der Stadt alles voll ist, legen wir auch brav an. Hier draußen ist es natürlich deutlich windiger als in der Stadt.

Der Yachthafen von Stakenburg ist nicht so schön, aber im Bereich des Oude Haven kann man auch anlegen. Und da waren auch noch einige Plätze frei. Aber jetzt liegen wir halt draußen. Mitten drin eine altertümliche Werft, wo auch noch Schiffe aufgearbeitet werden. Hier muss früher richtig was los gewesen sein.

Die Restaurants am Wasser waren uns alle zu touristisch und zu voll. Etwas abseits, aber trotzdem noch mit Blick aufs Wasser haben wir im Duncan’s gegessen. Die Fischgerichte waren ausgezeichnet. Preis-Leistung waren ok.
Später am Abend haben wir bei einem Drink an Bord den Sonnenuntergang genossen.

12.08.07 Unser Tagesziel für heute ist Amsterdam. Unsere Fahrt führt uns durchs Goimeer. Hier ist das Wasser teilweise über 20m tief. Ein ideales Angelgewässer auf Zander. Wie an einer Perlenkette liegen die Angelboote an der Kante zum Flachwasser.
Dann geht es aufs Markermeer. Dank des schönen Wetters am Morgen sind auch viele Segler auf dem Wasser.

Problemlos kommen wir quer über das Markermeer. Dabei wird das Wetter leider immer schlechter. Die Einfahrt vom Markermeer nach Amsterdam ist trotzdem leicht zu finden. Auch durch die große Schleuse geht es ruck zuck. Nach der Schleuse überholt uns ein Raudi. Durch die Schaukelei fällt die Digicam vom Tisch und die Halterung vom Batteriefach bricht ab. Auf der Suche nach einem Platz für die Übernachtung fahren wir direkt in die Amsterdamer City rein. So flach wie die Touristenboote sind wir leider nicht. Man muss aufpassen. Die kommen hier von allen Seiten. Die Einfahrt in die City führt direkt an Nemo vorbei. Doch die möglichen Anlegestellen sind etwas abseits. Wir fühlen uns nicht sicher genug. So entscheiden wir uns wieder aus der City raus zu fahren.

Wir wollen auf die andere Seite in den Sixhaven. Bei der Einfahrt in den Hafen sehe ich, dass der Hafen eigentlich voll ist. Ich will schon wieder raus und zum nächsten Hafen fahren. Da zeigt Marina auf den Hafenmeister. Der winkt uns in den Hafen rein. Er zeigt uns eine Box. Doch da vor der Box schon zwei Segler im Päckchen liegen komme ich nicht rum. Tatsächlich gibt es am Ende des Hafens noch eine Box und da können wir rein. Auch nicht gerade viel Platz zum manövrieren, aber dank Bugschraube kein Problem. Nach 42km am heutigen Tag liegen wir sicher und darauf gibt es erst mal ein Anlegerbier. Zu dem Zeitpunkt habe ich gedancht: Der Hafen ist voll. Man sieht unser Boot links hinter dem Geländer. Im Hintergrund kann man den Hauptbahnhof von Amsterdam sehen. Da die Kneipe vom Club bewirtschaftet wird kostet das Bier nur einen Euro. Daher genehmigen wir uns auch noch ein Zweites.

Wir nutzen die günstige Fährverbindung zu einem Bummel durch Amsterdam. Leider fängt es erstmal fürchterlich an zu regnen, so dass wir in eine Pizzeria flüchten. Nach dem Essen hat sich das Wetter wieder beruhigt. Wir laufen diesmal in die andere Richtung vom Bahnhof weg, wie bei unserem letzten Besuch mit dem Auto. Marina merkt an, dass es doch hier ein berühmtes Rotlichtviertel geben soll, wo die Damen in den Fenstern sitzen. Ich sage noch, dass wir diese ohne genauen Plan kaum finden können, aber keine zwei Minuten später stehen wir zufällig mitten drin. Die schwindende Kaufkraft macht sich auch hier bemerkbar. Sehr viele Fenster sind zu vermieten.
13.08.07 Am nächsten Morgen heißt es dann kollektives Warten. Der Hafen ist noch voller als gestern Nachmittag. Man glaubt gar nicht wie viele Boote auf einmal los fahren wollen. Erst um 11:00 können wir durch Schlangenlinien fahren den Hafen verlassen. Wer einmal mit dem Boot nach Amsterdam kommt, sollte auf jeden Fall im Sixhaven anlegen. Es ist ein Erlebnis. Es lohnt sich.
Es geht weiter über den Noordzeekanaal an vielen Hafenbecken entlang. Hier überholt uns ein Tragflächenboot das nach Ijmuiden fährt.

Die Orientierung an Hand der Karte fällt leicht, da jedes Hafenbecken einen Namen hat und dieser auf einem Schild an der Einfahrt steht. So können wir immer genau sehen wo wir sind. Daher finden wir auch problemlos unseren Abzweig in den Zijkanaal nach Zaanstad. Gegenüber ist das erste Hafenbecken mit richtigen Ozeandampfern. Weiter auf dem Noordzeekanaal wären es ja auch nur noch 20km bis zur Küste.

Schön war der Noordzeekanaal wirklich nicht. Nur grau in graue triste Industrie. Ich bis froh als wir endlich im Zijkanaal fahren. Es geht gerade aus durch Wohngebiete. Nicht romantisch, aber besser als der Noordzeekanaal. Vor der Sluis Wilhelmina in Zaandam liegt auf der linken Seite der Jachthafen De Remming. Doch es ist noch früh und wir wollen noch ein Stück weiter.

Schön war der Noordzeekanaal wirklich nicht. Nur grau in graue triste Industrie. Ich bis froh als wir endlich im Zijkanaal fahren. Es geht gerade aus durch Wohngebiete. Nicht romantisch, aber besser als der Noordzeekanaal. Vor der Sluis Wilhelmina in Zaandam liegt auf der linken Seite der Jachthafen De Remming. Doch es ist noch früh und wir wollen noch ein Stück weiter.

Vor der Schleuse ist erstmal Schluss. Doppelrot. Eigentlich zu früh für eine Mittagspause. Gegenüber sehen wir einen Bäcker und wollen die Gelegenheit nutzen neue Frühstücksbrötchen zu kaufen. Doch auch alle Geschäfte haben zu. Ist heute in Holland Feiertag? Wir haben es nicht raus gefunden.
Ich nutze die Pause und gehe mal über die Straße um in die Schleuse zu schauen. Was ich da sehe erschreckt mich etwas. Ein großer Frachter ist drin. Wir an einer schrägen Anlegestelle in der Nähe des Schleusentores. Spontan entschließe ich mich das Boot noch ein paar Meter zurück zu verlegen und das war auch gut so. Ansonsten wäre es sehr eng geworden, aber wir wollten ja unnötigen Stress vermeiden.
Nach der Schleuse und zwei Brücken weiter sehen wir plötzlich eine Straßentankstelle incl. Bootstankstelle. Wir beschließen sicherheitshalber mal nach zu tanken. Wer weiß wo die nächste Tanke kommt, denn ich habe keine vor geplanten Tankstellen. Am Wasser gibt es zwar kein Super, aber mit dem Kanistern ist es ja nicht wirklich weit. Wir tanken 100 Liter Benzin. Ungefähr soviel sollten wir bis hier her verbraucht haben.

Nach dem Tanken geht es weiter. Nur Stadt und ein wenig Industrie um uns rum. Doch plötzlich an der dritten Brücke liegt ein herrlicher Duft in der Luft. Es riecht auf einmal ganz intensiv nach Kakao. Durch die Brücke durch und wir fühlen uns wie in einer anderen Welt. Links und rechts herrliche alte super hergerichtete Häuser. Was für ein Anblick. Hier in Zaandijk fühlt man sich um 200 Jahre zurück versetzt. Auf der rechten Seite kommt dann eine ganze Batterie Windmühlen. Hier muss mal das Kakaomahlzentrum von Holland gewesen sein. Eine Mühle dreht sich. Ich sehe ein Ausflugsboot und eine Menge Touristen an den Mühlen rum laufen. Ich vermute, dass in der einen Mühle für die Touris Kakao gemahlen wird. Daher auch der starke Duft. Einfach lecker. Jetzt hätte ich gerne ein Stück Schokolade.

Wir fahren noch eine ganze Weile durch Zaanstad bis wir endlich wieder auf freies flaches Land kommen. Auf dem Weg zum Noordhollandsch Kanaal wählen wir den Weg durch das Alkmaarder Meer statt der Fahrt durch die Markervaart. Nicht gerade gut gewählt, denn der stürmische Wind macht sich hier stark bemerkbar. Das Wasser ist sehr wellig. Plötzlich fängt der Motor an zu stottern. Man merkt: Er will kann aber nicht. Das hätte uns gerade noch gefehlt. Mitten auf dem aufgewühlten See geht uns der Motor aus. Doch zum Glück läuft die Maschine weiter. Ich versuche mal Vollgas, aber das Boot kommt nicht in Gleitfahrt. Irgendetwas ist nicht in Ordnung. Wir fahren mit schlechtem Gefühl und unrund laufender Maschine in den Noordzeekanaal ein. Wir brauchen einen Mechaniker. Daher lassen wir den angepeilten Wasserrastplatz links liegen. Wir hätten hier eh nicht anhalten können. Alle Anleger waren durch Angler blockiert. Wir fahren weitere 5km in Richtung Alkmaar. Vor der Stadt wo sich der Kanal teilt sehen wir die Jachtwerft Witzen. Hier machen wir fest. Ich frage im Kontor nach einem Mechaniker. Man sagt uns, dass sie einen anrufen können. 20 Minuten später war er tatsächlich da. Nach einem kurzen Check der Benzinpumpe, sagt er dass morgen früh ein Motorenspezialist kommen könnte. Wir stimmen zu. Da es hier aber sehr windig ist fahren wir einen Kilometer weiter bis vor Alkmaar. Dort liegen wir nach 36km Tagesfahrt etwas geschützter.
14.08.07 Am morgen fahren wir zur Werft zurück und warten auf den Monteur. Er heißt Ingo, ist supernett und kompetent. Er erklärt uns seinen Stundenlohn und seine Arbeitsweise. Wir können jederzeit sagen jetzt ist Schluss. Wir sind die Bestimmer. Ist ja unser Geld. Aber können wir das wirklich? Ich will noch nicht zurück fahren. Der Urlaub fängt ja gerade erst an. Ich tippe auf den Unterbrecher und tatsächlich ist der Unterbrecher ziemlich mies. Nach einer Schleifaktion und Probefahrt ist es zwar besser, aber nicht gut. Jetzt will ich es genau wissen. Ingo soll auch die Kompression prüfen. Ingo fährt los um Ersatzteile und Geräte zu holen. Neue Kerzen hat er bekommen. Nur leider keinen Unterbrecher. Dafür hat er ihn noch mal ordentlich plan geschliffen. Die Druckprüfung liefert topp Werte. Da bin ich aber vielleicht so was von beruhigt. Nach Einbau aller Teile und einer Probefahrt läuft der Motor wieder rund. Wir geben Ingo unsere ganze Kohle und sind glücklich. Ach hätte ich doch einen Ersatzunterbrecher dabei gehabt, was hätten wir viel Geld sparen können. Wer jemals dort vorbei kommt, bitte einen Gruß an Ingo. Ich wünsche mir trotzdem mal einen Urlaub ohne Monteur an Bord.

Was machen wir mit dem angebrochenen Tag? Es ist mittlerweile 14:30. Auf der Karte finden wir einen Wasserrastplatz bei km56 an der Burgervlotbrug. An dieser Stelle ist die Nordsee am nächsten zum Noordhollandsch Kanaal. Das ist klasse. Heute werden wir noch am Meer sein und Seeluft schnuppern. Also geht es weiter durch Alkmaar durch Richtung Norden. Der Kanal läuft schräg zur Küste und so kommen wir mit jedem Kilometer dem Meer näher. Die Vorfreude ist riesengroß, denn seit zwei Jahren war ich schon nicht mehr an der Küste. Nach 22km sind wir am Rastplatz angekommen und parken unser Boot am Steg. Der Wind ist zwar frisch und kommt von hinten, aber ich denke mir nichts dabei. So holen wir unsere Fahrräder vom Boot und fahren die 4km nach Petten, eine Wohnsiedlung direkt hinter dem Deich. Ein kurzer Anstieg auf den Deich und in der Nähe sehen wir auch schon den Strand. Unser Ziel ist das Strandrestaurant, denn wir haben noch kein Anlegerbier getrunken. Hunger haben wir zwar keinen, aber wir wollen unbedingt am Strand was essen. So gibt es zweimal das Kindermenü: Frikandel mit Pommes.
Die Wolken werden dichter. So haben wir es eilig zurück zum Boot zu kommen. Kaum angekommen fängt es an zu regnen. Wie immer wenn ich angeln will beginnt der Regen. Nachdem alle Angeln aufgebaut sind machen wir es uns im Boot gemütlich. Noch ist es ruhig, doch in der Nacht frischt es richtig auf. So gegen 04:00 haben wir einen richtigen Sturm. Der Wind kommt von hinten und drückt richtig gegen das Verdeck und ich frage mich schon wie weit das Verdeck wohl fliegen würde. Besser wäre es wenn wir anders rum am Steg stehen würden. Ich überlege noch das Boot zu drehen, doch Marina erklärt mich für verrückt. So bleiben wir stehen und ich hoffe, dass der Sturm nicht noch stärker wird. An Schlaf ist nicht mehr zu denken.

15.08.07 Am Morgen ist das Schlimmste überstanden. Alles ist gut gegangen. Der Wind hat etwas abgeflaut. So können wir den in der Nacht gefangen Zander vermessen. Nach dem Frühstück geht es zu unserem Tagesziel Den Helder.
Auf dem Weg dorthin treffen wir auf eine für uns bis dato unbekannte Art von Fähre. Diese Fähre läuft an einem Stahlseil. Doch das Seil ist nicht unter Wasser, sondern quer über den Kanal gespannt. Nur ein Blinklicht am Ufer warnt davor. Zuerst bin ich etwas irritiert, wie wir da vorbei kommen sollen, doch dann wird das Seil abgesengt. Als das Blinklicht ausgeht traue ich mich langsam weiter. Leider kann man da Seil auf dem Bild schlecht sehen. Wer hier unkonzentriert ranfährt, für den kann es böse enden.
Böse endet es hier für unsere DigiCam. Das war das letzte Bild. Beim Zurückgeben fällt die Kamera auf den Bootsboden. Das war es. Entweder beenden wir hier unseren Törnbericht oder wir kaufen eine Neue. Den Helder ist keine Großstadt. Mal schauen was es dort gibt.

Nach 25km, in Den Helder angekommen ist es immer noch stürmisch. Wir fahren zu den Wasserrastplätzen und Häfen in der Nähe der City. Doch hier ist es viel zu windig. Die letzte Nacht hat mir gereicht. So probieren wir den Jachthaven Den Helder. Der liegt etwas außerhalb inmitten einer Reihenhaussiedlung. Hier finden wir auch ein windgeschütztes Plätzchen und entschließen uns zu bleiben.
Jetzt kann ich auch mal unseren Suchscheinwerfer begutachten. Dank Marinas „gut geschultem Auge“ konnten wir unsere minimale Brückendurchfahrtshöhe um 10cm senken. Jetzt gehen sogar 2,85m. Marina steht auf dem Vordeck, den Kopf unter der Betondecke und trotzdem macht es Bum. Na ja so oft brauchen wir das Ding eh nicht. Die gewonnene Höhe ist viel wichtiger.

Danach geht es mit den Fahrrädern in die City. Eine neue Kamera muss her. Da es nur ein günstiges Geschäft gibt ist die Auswahl gering. Ich telefoniere mit Peter und gebe ihm die Modelle durch. Es macht einen Blitzcheck im Internet und Zeitungen. Dank seiner Telefonberatung ist die neue DigiCam gefunden. Es ist wieder eine Canon, aber mit 7,1 MP. So muss ich mich nicht großartig umgewöhnen. Danach gehen wir zum Chinesen. Dort mache ich dann das erste Bild mit der neuen Kamera. Theoretisch hätte ich auch mit dem Handy weiter Bilder machen können, aber die Qualität ist doch mit einer richtigen Kamera besser.
Zurück beim Boot baue ich dann meine Angeln auf dem Ende vom Steg auf. Bei Fernsehen und Cocktail lassen wir den Abend ausklingen.

16.08.07 Wir bleiben noch einen weiteren Tag in Den Helder, denn wir wollen heute mit der Fähre nach Texel. Mit 11 Euro incl. Fahrrädern ist das nicht einmal teuer. Bei topp Wetter könnte man das auch mit dem eigenen Boot machen. Aber bei den Wetterverhältnissen ist daran nicht zu denken. Im Süden von Texel gibt es allerdings nur den Fährhafen. Mit dem Sportboot muss man nach Oudeschild. Dort gibt es einen Yacht-und Fischereihafen.

So machen wir uns mit Rückenwind über den Deich nach Oudeschild. Wir wollen für eventuelle zukünftige Törns die Lage peilen. Viele kleine Boote im Hafen zeigen, dass die Fahrt auf dem Meer gar nicht so problematisch ist. Texel kann man unabhängig von Ebbe und Flut anlaufen. Allerdings sollte man die Tidenströmungen berücksichtigen, damit das Boot schneller als die Strömung ist.

Im Hafen ist gerade ein Fischerfest. Wir haben Appetit auf Fisch. Leider hat das Hafenrestaurant keine gute Karte. Daher gehen wir in die Fischbude. Hier gibt es lecker Kibbeling. Das esse ich in Holland wirklich gerne. Wir müssen uns für den Rückweg stärken, denn der Wind ist immer noch sehr stark und kommt jetzt genau von Vorne. Mit den kleinen Fahrrädern ist das schon eine Tortur. Marina benötigt zwischendurch mal eine Pause. Der Weg kommt einem richtig lang vor, daher ärgere ich mich, dass wir für den Rückweg nicht den Bus genommen haben. Man kann bei der Anstrengung gar nicht mehr die tolle Landschaft von Texel genießen. Texel ist auf jeden Fall eine Reise wert. Beim nächsten Mal würde ich mir aber die 5 Euro Fährkosten für die Fahrräder sparen und mir lieber vor Ort zwei große Fahrräder leihen.

Zurück im Fährhafen haben wir noch etwas Wartezeit bis die nächste Fähre kommt. So füllen wir noch schnell unsere Flüssigkeitsspeicher auf. Zurück auf dem Festland fahren wir über das Gelände des Marinemuseums. Dort kann man in ein U-Boot von Innen besichtigen. Das sparen wir uns, da ich mir das schon bei einem früheren Besuch angeschaut habe. Im Hafenbecken des Freigeländes liegt u.a. noch ein altes Segelschiff. Damit haben wir die Sehenswürdigkeiten von Den Helder auch schon durch. So richtig viel gibt es hier nicht zu sehen. Bevor es zum Boot zurück geht kaufen wir noch ein Filettiermesser und frische Vorräte.

17.08.07 Wir haben noch nicht genug vom Meer. Auf Texel wurden Touren ins Watt zum Robbenschauen angeboten. Aus Zeitgründen konnten wir das von dort nicht machen. So beschließen wir nicht über die Kanäle nach Medemblik, sondern nach Den Oever zu fahren. So geht es über Balgzand, das Amstelmeer, Slootvaart und Den Oversche Vaart nach Den Oever. Besonders die Den Oversche Vaart ist einfach romantisch. Teilweise hat uns das an die Fahrt über den Canal de l’est erinnert. Hier ist es genau so schön. 3km vor Den Oever kommt ein Wasserrastplatz mitten im Wald, der sogar Strom hat. Mit unseren Fahrrädern ist das zu weit weg, aber beim nächsten Törn würde ich hier einen Stopp einplanen. Hier ist es viel schöner als im Yachthafen von Den Oever.
Der Kanal wird immer enger. Auf einmal sieht es so aus als wäre da vorne der Kanal zu Ende. Einfach toll. Hier sollte man einmal lang gefahren sein.

Nach 31km liegt die Schleuse von Den Oever vor uns. Hier haben wir mal wieder Glück, denn wir erwischen genau die Stunde am Nachmittag, wo die Schleuse geöffnet hat. Dank der genauen Törnplanung haben wir das natürlich nicht gewusst. Oder war es Pech, denn sonst hätten wir doch zurück zum Wasserrastplatz gemusst. Die Schleuse hat nur eine Stunde am Morgen und eine Stunde am Abend auf und das Mitten in der Saison. Daran sieht man wie wenige Boote hier oben auf den Kanälen unterwegs sind.
Der Yachthafen Den Oever liegt direkt rechts hinter der Schleuse. Auf der anderen Seite geht es dann direkt aufs Ijsselmeer. Daher liegen hier auch fast nur Segelboote. Wir legen dort an und machen uns dann mit den Fahrrädern auf den Weg zum Fischerhafen, da wir schauen müssen wann es zum Robbenwatching geht. Die Ausfahrten sind abhängig von der Tide, denn nur bei Ebbe kann man die Robben auf den Sandbänken in der Waddenzee beobachten. Ausnahmsweise haben wir mal Pech, denn als wir ankommen können wir den Booten nur noch bei der Ausfahrt nachschauen.

So bleibt uns viel Zeit für ein Anlegebier. Hier haben wir einen schönen Blick auf den Fischerhafen und über das Watt. Weit im Hintergrund sieht man die Silhouette von Den Helder. Danach machen wir uns auf den Rückweg, denn gegessen wird heute auf dem Boot. Beim Abendbrot sprechen wir noch darüber, ob wir die Robbenfahrt ausfallen lassen und morgen weiter fahren oder noch einen Tag hier dran hängen, denn die Ausfahrt ins Watt ist erst am nächsten Tag abends um 18:15. Wir entscheiden uns fürs bleiben, denn die entdeckte Bootstour ist sehr verlockend.

18.08.07 Wir haben heute viel Zeit. Gemäß unserer no Stress Strategie schlafen wir erstmal aus, denn was macht man den ganzen Tag in Den Oever? Hier ist noch weniger los als in Den Helder. Ein Stadtbummel geht nicht, denn die existiert eigentlich gar nicht. Es ist eher eine Wohnsiedlung mit Lebensmittelladen und Bäcker. Wir buchen unsere Bootstour und füllen unsere Vorräte auf. Anschließend geht es in den Fischladen mit Restaurantbetrieb am Hafen. Die haben gut sortiertes Angebot an Fisch und eine große Speisekarte. Wir entscheiden uns für die Fischplatte für 11 Euro mit Salat und Pommes. Für das Gleiche würden wir im Hafenrestaurant das Dreifache bezahlen. Dazu ist es wirklich lecker. Meine Speiseempfehlung für Den Oever. Da wir noch viel Zeit haben, fahren noch einmal um den Ort und schauen uns die Meeresschleuse an, bevor es zurück zum Boot geht.
Der Hafen von Den Oever hat sogar einen KPN Hot Spot. So melde ich mit für 5,95 Euro für 50min ins Internet ein. Per Kreditkarte gar kein Problem. So kann ich meine Mails checken und Peter ein paar Bilder schicken. Dann wird es Zeit und wir fahren zum Hafen. Es wird spannend, denn wir haben die Robbentour nicht mit dem Rentnertuckerboot, sondern mit der Atlantis gebucht. Das ist ein Rip mit viel Power.

Wir sind 1:15 gefahren. Die Zeit ist ausreichend und mit 35 Euro für 2 Personen auch Preis-Leistung topp. Als erstes ging es zum Auslauf des Ijsselmeer. Hier wird bei Ebbe das Wasser aus dem Ijsselmeer in die Nordsee abgelassen. Wir stehen mitten in der starken Strömung. Zuerst dachte ich der wollte da durch fahren. Danach ging es auf die Waddenzee. Ein heißer Ritt durch das Wattenmeer und tatsächlich auf einer Sandbank liegt eine Gruppe Robben. Auftrag erfüllt.
Die Robbentour kann man theoretisch auch mit dem eigenen Boot machen, da es eine betonte Fahrrinne gibt. Wegen der Sandbänke gibt es hier keinen starken Wellengang. Die Sandbänke sind aber sehr nah. Nur wer sich auskennt kann auch ,mal aus der Fahrrinne raus und kommt so näher an die Robben.

Wer die Hafengebühren sparen will der fährt auf eine Sandbank und lässt sich trocken fallen. Auch gut für eine Inspektion außen am Boot. Zu Fuß geht es natürlich auch, aber bis zu den Robben kommt man so nicht. Das gibt nur kalte Füße.

Auf dem Heimweg geht es wieder an der Hafenmole vorbei. Da sollen sich die Angler noch mal über „einen“ Kormoran beschweren. Auch hier wird es von Jahr zu Jahr schlimmer. Trotzdem sind die Vögel noch immer geschützt.
Dann war ein schöner Ausflug auch schon wieder vorbei. Mein persönlicher Tipp für Den Oever. Wer das mal mitmachen will sollte sich vorher nach dem Zeitpunkt der Ebbe erkundigen. Je nach Wasserstand finden die Fahrten auch morgens statt.
Zurück auf unserem Boot telefoniere ich mit Peter unserem Wettermän und frage die aktuelle Wettermeldung ab. Vor allem der Wind interessiert mich. Da die Schleuse nur morgen früh nur für eine Stunde auf hat, müssen wir entscheiden ob es über den Kanal oder über das Ijsselmeer geht. Die Aussichten sind gut, daher wollen wir morgen übers Ijsselmeer nach Medemblik und dort wieder ins Binnenland einfahren.

19.08.07 Ganz so Windstill ist es morgens nicht und ich dränge zum Aufbruch. Mittags soll der Wind ja schon wieder zunehmen. Wir verzichten aufs Frühstück im Hafen und das war auch gut so, denn so ganz ruhig ist das Ijsselmeeer nicht. Zum Glück kommt die Welle von schräg vorne. Medemblik kann man nicht verpassen. Die charakteristischen vier Windräder sind schon von Weitem zu sehen. Wegen unseres Unterbrecherproblems können wir nicht in Gleitfahrt gehen. Wir schaukeln langsam Richtung Medemblik, aber nach zwei Stunden sind wir vor der Stadt. Ein kurzer Blick in den Wateralmanach zeigt uns, dass die Schleuse gleich Feierabend macht. Wenn wir die nicht schaffen, dann haben wir ein paar Stunden Pause. Wir kommen 5 Minuten vor Schluss an der Schleuse an, doch diese zeigt schon Doppelrot. Zum Glück kann ich die Schleusenwärterin dazu bewegen uns doch noch zu Schleusen.

So schnell wie wir nach Medemblik rein gefahren sind so schnell sind wir auch wieder raus. Die zweite Schleuse wird noch bedient und ein letzter Blick zurück. Medemblik ist eine der wenigen Möglichkeiten wieder ins Landesinnere zu kommen. Weder in Enkhuizen, noch in Hoorn kommen wir mit unserer Bootshöhe ins Binnenland und damit in die Kanäle zurück. Hier irgendwo werde ich im November Hechte angeln. Dann bin ich in De Vlietlanden. Das liegt hier gleich um die Ecke.

Es geht über die Westfriesische Vaart bis zur Westfriese Sluis. Hier ist mal wieder Mittagspause. Der einzige Anleger ist bereits belegt. Daher legen wir uns an den Poller direkt vor die Schleuse. Als es dann endlich los geht. Müssen wir uns richtig festhalten. So viel Strömung vor einer Schleuse hab ich noch nicht erlebt. Das Wasser kommt nicht unter dem Tor, sondern aus der Seite raus.

Nach einem kurzen Stück durch das Kohlhorn Diep, biegen wir nach Süden in den Kanaal Omval-Kolhorn ein. Ab jetzt suchen wir einen Platz zum Übernachten. Es wollen in keinen Hafen, sondern an einen ruhigen Wasserrastplatz. Bei Langedijk, kurz vor der Windmühle finden wir das Gesuchte. Mit 54km war das unsere längste Tagesetappe. Wir haben etwas auf die Tube gedrückt, denn für Mittwoch hat sich der Mechaniker in unserem Heimathafen angekündigt. Da wollen wir auch einen neuen Unterbrecher einbauen und die Zündung einstellen lassen. Am Rastplatz bleiben wir nicht lange alleine und kriegen Besuch von einer Herde Schafen. Bis auf die Mücken hat es mir hier sehr gut gefallen. Durch den Juckreiz erinnere ich mich noch ein paar Tage länger an diesen Platz.

20.08.07 Heute wollen wir nach Edam. Von unserer Bootshöhe her passt es noch so gerade um die festen Brücken zu unterqueren. Vor vielen Jahren war ich schon mal in Edam. Es hatte mir so gut gefallen, dass ich hier unbedingt mal mit dem Boot durchfahren wollte. Wir fahren weiter Richtung Alkmaar und kommen im Süden von Alkmaar über den Kraspolder Kanaal wieder auf den Noordhollandsch Kanaal. Genau an dem Dreieck wo wir den Unterbrecher haben reparieren lassen. Bis zum Alkmaarder Meer fahren wir die gleich Strecke, die wir auf dem Hinweg in die andere Richtung schon befahren haben. Das ging nicht anders, denn es ist die einzige Nord-Süd-Verbindung, die mit unserer Bootshöhe befahrbar ist. Wer mehr befahren will braucht ein Boot, das nicht höher als 2,50m ist. Bis Purmerend bleibt der Nordhollandsch Kanaal ziemlich trist und langweilig.
Die Stadtdurchfahrt ist wieder interessant, aber auch teuer. Mehrere Brücken müssen passiert werden und an jeder muss man bezahlen. Dafür entdecken wir mitten in der Stadt eine Straßentankstelle, die nur ca. 50m vom Wasser weg ist. Dazu gibt es auch noch einen freien Liegeplatz. Wir tanken zur Sicherheit noch mal 80 Liter und schon geht es weiter. Die letzte Eisenbahnbrücke kostet nichts und geht, im Gegensatz zu vielen anderen Eisenbahnbrücken, auch sehr schnell auf.

Noch eine letzte Brücke, die Geld kostet. Dann sind wir auf der Pumerringvaart Richtung Edam. Ab hier gibt es bis Edam nur feste Brücken. Von der Höhe her passt das so gerade. Eine ruhige Fahrt durch einen mit Schilf bewachsenen Kanal. Vor der Abbiegung nach Edam müssen wir noch durch die Jan Koningbrug. Nachdem die Brücke aufgeht und wir durchfahren wollen, steht dort der Brückenwärter mit dem Schuh in der Hand und will Brückengeld. Ich bin überrascht und irritiert, denn nirgendwo steht ein Schild mit dem Preis. Ich stoppe und frage nach dem Preis. Als Antwort bekomme ich „Wat du denkst“. Ja was denke ich denn? Als Geizhals will ich ja auch nicht da stehen, denn ich will es mir mit dem Brückenwärter nicht verscherzen. Er muss mir schließlich noch die Brücken in Edam öffnen. Also gebe ich zwei Euro. Woher weiß sein Chef eigentlich wie viel ich gegeben habe? Oder macht er das hier schwarz und zockt die dummen Touris ab? Ich weiß es nicht.
Nach der Brücke geht es direkt links rum und wir sind im Kanal, der durch Edam durch bis zum Markermeer führt. Zu jeder vollen Stunde kann man durch Edam fahren.

Wieder mal Glück. Es ist kurz vor 16:00. So müssen wir nicht lange warten, denn der Brückenwärter kommt schon angeradelt. Der Brückenwärter fährt neben uns her und macht uns nacheinander die Brücken auf. Dort werden noch einige Brücken per Muskelkraft geöffnet. Plötzlich kommt der Brückenwärter mit einem Quittungsblock zu uns ans Boot. 5,75 Euro kostet die Fahrt durch Edam. Nix mehr mit „Wat du denkst“. Dafür ist es eine wirklich schöne Fahrt durch Edam. Die letzten beiden Städte haben zusammen rund 15 Euro Brückengeld gekostet.

Noch zwei Brücken und nach 41km wir sind an der Anlegestelle mitten in der City von Edam angekommen. Mit 11,25 Euro ohne Toilette und Dusche, ein stolzer Preis. Wenigstens gibt es Strom, auch wenn der auch noch extra kostet. Kein schöner Platz, aber dafür ist der Weg zum Mülleimer nicht weit. Als erstes gehen wir zu einem schönen Biergarten direkt am Wasser, wo wir eben noch vorbei gekommen sind. Das Anlegebier muss sein. Danach geht es mit den Fahrrädern auf Erkundungstour. Wir fahren den Kanal entlang bis zum Markermeer und gehen noch in die City zum Einkaufen. Schließlich will Marina in Edam auch Edamer Käse kaufen.

So richtig viele Restaurants hat Edam nicht. Die Hotels sind uns zu teuer, die Anderen zu einfach. Etwas außerhalb finden wir dann doch noch eine Pizzeria. Für holländische Verhältnisse ist die Pizza auch sehr gut. Das muss hier auch ein Geheimtipp sein, denn es wird zügig voll im Laden. Zurück beim Boot sprechen wir noch mit Peter. Er gibt uns die aktuellen Wetterinfos. Danach steht fest. Wir müssen morgen früh übers Ijsselmeer nach Lelystad. Für den nächsten Morgen ist sehr wenig Wind angekündigt. Aber ab Mittag soll es dann immer windiger, bis hin zum Sturm, werden. Abends kann ich dann noch ein wenig im Internet surfen. Ich weiß zwar nicht mit welchem Anschluss ich surfe, aber ein ungeschützter WLAN-Router, irgendwo in der Nähe, ist schon praktisch.

21.08.07 Am Morgen ist es tatsächlich windstill. Gleich um acht bin ich beim Bäcker. Ohne Frühstück geht es dann auch gleich los. Ein sonniger Sommermorgen erwartet uns. Das Ziel für heute ist der, auf der Karte eingezeichnete, Passantenhafen von Lelystad.

Kurz vorm Markermeer noch eine letzte Schleuse. Links liegt der Campingplatz und rechts der Yachthafen. Dann geht es raus ins Nichts. Vor uns ist jetzt freies Wasser. Nur ganz selten sieht man ein Segelboot am Horizont. Jetzt nur keine Motorpanne. In der Mitte der Überfahr sieht man rings rum kein Land mehr. Lelystad liegt genau östlich auf der anderen Seite vom Markermeer. Man muss einfach nur einen Kurs von 90 Grad einhalten und kommt genau dort an. Jetzt könnte ich auch das Notebook mit GPS und elektronischer Karte raus holen. Dann sieht man immer wo man ist. Das wäre aber zu einfach gewesen.

Wenn es auch nicht wirklich schwer ist, so möchte ich doch ein wenig navigieren. Auf den Kanälen braucht man ja keinen Kompass oder Koordinaten. Auf der Karte sind zwei Tonnen eingezeichnet. Wir fahren erstmal nach Kompass streng 90 Grad. Die erste Tonne lassen wir in Sichtweite an Backbord liegen und steuern dann die zweite Tonne, auch wenn es nicht der kürzeste Weg ist, direkt an. Wie auf der Karte eingezeichnet ist es tatsächlich die E-A2. Welch ein Navigationserfolg?? Das war jetzt die letzte Tonne und es ist immer noch kein Land in Sicht.

Wenn wir so nach Kompass weiterfahren, kommen wir natürlich in Lelystad an und müssen dann nur noch mit dem Fernglas die richtige Hafeneinfahrt finden. Aber es geht ja besser. Dank GPS und Papierkarte ist es überhaupt kein Problem punktgenau vor die Hafeneinfahrt zu fahren. Das GPS zeigt uns alle nötigen Daten. Nach meiner Berechnung müssen wir bei Fahrstrecke 321km in Lelystad ankommen. An Hand der Geschwindigkeit können wir die voraussichtliche Ankunftszeit berechnen. Weiter zeigt das GPS die Koordinaten (Längen-und Breitengrade) an. Auf der Papierkarte kann ich den Breitengrad der Hafeneinfahrt von Lelystad ablesen. Hier sind nicht Grad oder Minuten, sondern die Sekunden entscheidend. An Hand der Karte weiß ich, dass die Einfahrt von Lelystad bei 52 Grad 30 Min und 643 Sekunden liegt. Da die angesteuerte Tonne südlicher liegt sind wir zurzeit bei 504 Sekunden. Ich muss also solange leicht nördlich steuern, bis das GPS hier ca. 643 anzeigt. Daher fahre ich mit einem Kurs von 75 Grad. Wenn ich dann auf 643 bin brauche ich dieser Gradzahl nur noch bis Lelystad halten. Die Sekundenanzeige der Breite sagt mir immer ob ich mehr nördlich oder mehr südlich fahren muss um ans Ziel zu kommen. Wie auch nicht anders zu erwarten, sind wir nach einer Stunde genau vor der Hafeneinfahrt von Lelystad. Auch bei völliger Sichtlosigkeit könnte man per GPS metergenau navigieren. Man sollte dann nur aufpassen, dass man niemanden rammt oder gerammt wird.

Der Passantenhafen erweist sich als Flop. An der Einfahrt steht „No Sport“. Hier liegen ausschließlich große Schiffe. Wir hatten uns hier ein windgeschütztes Plätzchen erhofft. Da schlechtes Wetter angekündigt ist, entschließen wir uns noch heute wieder in die doch geschützteren Kanäle ein zu fahren, anstatt in einen offenen Yachthafen am Markermeer zu gehen.
Die Schleuse ist ja gleich um die Ecke. Es geht ordentlich nach unten. Daran sieht man erst wie weit Flevoland unterhalb des Meeresspiegels liegt. Unser Ziel ist jetzt ein Wasserrastplatz am Gelderse Diep östlich von Lelystad.

Wir fahren durch die Lage Dwarsvaart und biegen dann nach links in die Lage Vaart ein. Hier gibt es tatsächlich eine Brücke die nicht auf der Karte verzeichnet ist. Hinter km 26 geht es dann links zum Wasserrastplatz. Wegen der Brückenhöhe müssen wir direkt am ersten Platz bleiben. Dadurch ist es mit den Fahrrädern leider etwas weiter bis in die Innenstadt. Unsere Tagesleistung für heute sind 43km.
Wir fahren mit Fahrrädern und Bus bis Batavia Hafen. Daneben gibt es einen Outlet-Store und unser Ziel, die bekannte Batavia Werft. Im Wasser liegt die Batavia. Auf der Werft wird gerade „De 7 Provincien“ gebaut. Alles mit Spenden und Eigenleistung von freiwilligen Helfern.

Interessant zu sehen wie anstrengend die Seefahrt vor vielen Jahren war. Stehhöhe war in den unteren Decks ein Fremdwort. Das Klo vom Käpten hat aber schon einen gewissen Standard. Zumindest unsere Mitbürger aus den neuen Bundesländern sollten sich an so was noch erinnern können.

Von der Werft aus kann man die Verbindung zwischen dem Markermeer und dem Ijsselmeer sehen. Hier kann der Wasserstand zwischen den Meeren geregelt werden. Danach sind wir noch Wokken gegangen. Anders als beim normalen Chinabuffet stellt man sich dabei die rohen Zutaten zusammen. Diese bereitet der Koch dann, vor ihren Augen, frisch im Wok zu. Dazu kann man aus verschiedenen Saucen wählen. Während dem Essen fängt es schon an zu regnen. Das wird wieder ein verregneter Abend.

22.08.07 Heute soll es zurück zu unserem Heimathafen De Klink gehen. Eigentlich haben wir es nicht eilig, denn der Mechanikertermin hat sich auf Freitag verschoben. Doch der Wind hat wieder aufgefrischt. Bei so schlechtem Wetter macht eine Zwischenstation keinen Sinn mehr. Wir fahren ein kleines Stück zurück und biegen dann links in die Larservaart ein. Die Larsersluis ist die einzige Schleuse, die ich bisher in Holland kenne, die mit Selbstbedienung funktioniert. In der Schleusenkammer ist ein Knopf den man drücken muss. Es ist allerdings wohl auch die lahmste Schleuse in Holland?
Die Sluis „Lovink De Blauwe Dromer“, die uns bei Harderwijk wieder ins Veluwemeer führt, hat Doppelrot. Lassen wir dem Schleusenwärter noch seine Mittagspause. In 15min geht es ja weiter. Auch hier sieht man wie hoch das Veluwemeer gegenüber Flevoland liegt.

Nach der Schleuse, wieder auf dem Veluwemeer, zeigt sich dies von seiner schlechten Seite. So wellig habe ich das in den letzten zwei Jahren noch nicht erlebt. Gut, dass wir schon gestern über das Markermeer sind. Doch die letzten 10km gehen auch vorbei. So kommen wir nach 36km Tagesleistung wieder in De Klink an.
23.08.07 Der Tag beginnt mit top Wetter. Laut Wetterbericht wird es auch über’s Wochenende so bleiben. Marina nutzt das schöne Wetter gleich um das Boot gründlich zu reinigen. Das klar Schiff machen nimmt schon einige Zeit in Anspruch.

Wir genießen die letzten schönen Tage im Hafen. Am Freitag kommen die Eltern und bringen den Mechaniker mit. Er bringt die Maschine der Eltern tatsächlich wieder ans Laufen und wir bekommen endlich einen neuen Unterbrecher. So können wir am Freitag auf die Insel De Snip fahren und freuen uns über zwei Tage Badewetter auf der windgeschützten Seite. Sonntag ist leider alles wieder vorbei. Insgesamt sind wir 367 km weit gefahren. Die reine Fahrzeit betrug 38:35 Stunden. Es war ein kurzer, aber erlebnisreicher Törn. In Noord Holland ist es viel ruhiger als z.B. in Friesland. Nur wenige Boote sind dort unterwegs. Gerade dies hat uns gut gefallen. Es gab nirgendwo das Problem einen Liegeplatz zu bekommen. Das war sicherlich nicht unser letzter Törn in Noord Holland. Dank der gesammelten Erfahrungen und Ortskenntnissen gibt es noch einige lohnende Ziele. Wir hoffen noch auf ein paar sonnige Wochenenden. Dann ist die Saison auch schon wieder zu Ende. Für einen weiteren Törn in diesem Jahr fehlt uns leider die Zeit. Na dann tschüss bis zum nächsten Jahr. Wer Anregungen hat oder mir einfach was schreiben möchte der kann das gerne hier machen.