Von De Klink nach Duisburg vom 02.10.06 – 13.10.06

Nun ist es soweit. Der Urlaub steht an. Aus diversen Gründen ist der Urlaub nun bis in den Oktober verlegt worden. Wir hatten beschlossen, das Boot über den Winter in Duisburg im Hafen zu lassen. Daher waren wir uns einig, dass der Törn in Duisburg enden sollte. Nochmal nach De Klink und dann am nächsten Wochenende nach Duisburg war uns zuviel. Wir wussten ja auch nicht wie das Wetter mit spielt. Peter und Peter wollten mal bis Groningen hoch. Ich hatte in der Boote Zeitschrift was über die Twentsche Hoofvaart gelesen. So war uns die Route für den Urlaubstörn schnell klar. Das im Oktober nicht mehr alle Brücken und Schleusen regelmässig bedient werden, darüber waren wir uns nicht so richtig bewusst. Aber davon während des Berichtes mehr. Auf jeden Fall war das Wetter diesmal auf unserer Seite. Im Oktober hätte das Wetter auch furchtbar sein können. Davor hatte ich etwas Angst. Wir waren aber auf alles vorbereitet.

Auch diemal haben uns usere Eltern wieder unterstützt und uns mit ihrem Wohnmobil mit nach Holland genommen. Dadurch hatten wir kein Auto in Holland was wieder geholt werden musste. Vor dem Start war aber erstmal tanken angesagt. Wegen des bregrenzten Gewicht im Wohnmobil konnten wir die Kanister nicht voll mitnehmen. Daher mussten wir zweimal zur Tanke. Das war schon mal ein teurer Anfang des Urlaubs. Das Wochenende haben wir noch mit den Eltern in De Klink verbracht. Sie wollen hier in De Klink im Hafen bleiben. Am Sonntag habe ich noch zwei Hechte gefangen. Ein schöner Abschluss des Angelns im Veluwemeer. Da hab ich mir fürs nächste Jahr noch einiges vorgenommen.

Mo 02 Oktober…Der Morgen ist richtig stürmisch. Daher beschließen wir erst noch mal einkaufen zu gehen. Ein paar Kleinigkeiten hatten wir noch verrgessen. Als wir zurück waren hatte sich das Wetter nicht gebessert. Wir beschlossen trotz intensiver Warnungen einiger Bootskollegen los zu fahren, da wir ja außer über das Ketelmeer, nur Kanäle fahren. Die Entscheidung war auch richtig. In der Roggebotsluis blieb das uns provezeite Querstehen aus. Alles lief gut. Der Wind war nicht wirklich störend.

Wir sind dann über das Ketelmeer. Unser Weg sollte uns über den Schokkerhaven ins Ramsdiep und weiter zum Zwarte Meer führen. Ein (ein leider zu kurzer) Blick in die Karte zeigte mir, dass wir auch über das Ramsgeul ins Zwarte Meer kommen können. Die Überraschung kam dann vor der Ramspolbrug. Auf dieser Seite ist die Brücke einfach zu niedrig. Also wieder zurück und doch über das Ramsdiep. In Gleitfahrt gegen die Wellen war schon etwas heftiger. Besonders wenn die Welle über das Boot schwappt. Auf dem Bug entlang, über die Scheibe und dann zwischen Verdeck und Scheibe ins Cockpit. Das ist nicht wirklich Rauwasser geeignet.
Am Ramspol gibt es die Balgstuw. Ein merkwürdiges futuristisches Gebilde. Wie es genau funktioniert ist mir nicht so klar?

Weiter ging es durchs Zwarte Meer. Am Ende sind wir links abgebogen Richtung Vollenhove. Der dortige Jachthafen war unser Tagesziel. Leider hat uns das schlechte Wetter eingeholt. So sind wir im strömenden Regen dort eingelaufen. Wir haben direkt beim Hafenmeister einen Platz bekommen. Dort war eine runde Plattform an der wir angelegt haben. Das Festmachen war dadurch etwas schwierig. Nach dem Anmelden sind wir in die Stadt gelaufen. Ein netter schnuckliger Ort mit einem guten Bäcker. Die frischen Brötchen morgen früh waren also gerettet. Eigentlich wollten wir irgendwo ein Anlegebier trinken. Dummerweise war heute Montag. Da haben in Holland fast alle Kneipen zu. Das kennt man in Deutschland nur von Friseur. Ein Restaurant war glücklicherweise offen. Wir haben gefragt, ob wir auch nur ein Bier trinken dürfen. Aus eins wurden zwei, drei und es war so gemütlich, dass wir auch gleich zum Essen geblieben sind. Es war wirklich lecker. Das ist ja in Holland nicht immer so.

Di 03 Oktober…Nach dem Ablegen heute morgen mussten wir als erstes durch die Vollenhoverbrug. Wir haben verzweifelt den ausgeschilderten Meldeknopf gesucht. Ich habe dann per Handy die angegebene Nummer gewählt. Dort hat mir eine automatische Stimme erzählt das mein Anruf registriert wurde. Kurze Zeit später ging tatsächlich die Brücke auf. Wir sind dann weiter nach Blokzijl rein. Man kommt sich vor als fährt man in eine Burg. Ein kreisrunder Wasserplatz mit Liegeplätzen am Ufer. Hier wäre es auch schön zum Übernachten gewesen. Auf der anderen Seite geht es dann durch eine Schleuse wieder raus in den Noorderdiep. Eine wirklich schöne Stadtdurchfahrt.

Weiter gings im Giethoornse Meer links ab bis ins Steenwijker Diep. Das Steewijker Diep und der darauf folgende Kanaal Steenwijk-Ossenzijl gehören mit zu den schönsten Gegenden durch die ich in Holland mit dem Boot gefahren bin. Am Kanal entlang befinden sich Einfamilienhäuser und Gärten. Hier ist Eins schöner als das Andere. Da kann man wirklich neidisch werden. Eine super romatische Fahrt. Das Wasser hier ist sehr trüb und rostbraun. Einzigartig auf unserem gesamten Törn.
Die Eindrücke muss man erst mal verarbeiten. Das geht am besten mit einem Teller leckerer Erbsensuppe, bereitet mit dem Origo. Petra ist noch völlig ermattet von den vielen Eindrücken. Wir nutzen die Pausenzeit der Brückenwärter in Ossenzijl für eine kurze Rast.

Weiter gehts. Wir fahren nicht durchs Tjeukemeer, sondern biegen vorher rechts ab in den Kuinder of Tjonger. Das Land ist hier wirklich total platt. Der Blick geht weit bis zum Horizont. Hier kam dann plötzlich ein schöner Wasserrastplatz, so dass wir spontan entschieden haben dort zu übernachten. Dort konnte ich auch mal wieder die Stipprute auspacken und ein paar Brassen fangen. Auch ein Hecht konnte dem Gummifisch nicht wiederstehen. Die Sonne war zwar draußen, aber der Wind war doch ziemlich frisch. Noch vor Sonnenuntergang haben wir uns dann aufs Boot gesetzt und den Abend genossen.

Mi 04 Oktober…Nach dem Frühstück ging es weiter. Nach ein paar Kilometern geht es dann links ab durch Heerenveen in Richtung Akkrum. Das ist eine kleine Stadt mit vielen Brücken. Ich habe auf der Karte nicht aufgepasst und wir sind ins Diepeslot abgebogen um die Stadt von Süden zu durchqueren. Doch plötzlich wird es immer enger und wir stehen vor einer Brücke die gar nicht auf geht. Pech gehabt und wieder umdrehen. Wir finden doch noch den richtigen Weg. Aber Akkrum in Richtung Osten zu durchqueren ist teuer. Wir müssen an zwei Brücken bezahlen. Wenigstens die Eisenbahnbrücke war auf und kostenlos, so dass wir schnell durchgefahren sind.

Wir machen an einem Wasserrastplatz außerhalb von Akkrum fest um unsere Vorräte aufzufüllen. Dort liegen einige Segelschiffe die man mieten kann. Das Zentrum ist ca. 600 m weg. Dort findet man alles was man braucht. Nach dem Einkaufen genießen wir noch einen leckeren Apfelkuchen mit Sahne.

Nach dem Einkaufen geht es weiter. Wir überqueren am Leppe Akwadukt die A32. Wir fahren durch fantastische Landschaften in Richtung Grow. Im Wijde of Peanster Ee biegen wir rechts ab und fahren weiter durch das Goengahuistersloot nach Drachten. In Drachten müssen wir nach Norden in die Opeinder Vaart. Gar nicht so einfach zu finden, aber zum Glück haben wir die digitalen ANWB Karten mit GPS auf dem Notebook. So kann man sich vortasten.

Die Fahrt durch Opeinde bis zu unserem Tagesziel Eastermar war wieder sehr schön. Im See De Leijen werden jede Menge künstliche Inseln geschaffen. Ob man dann dort anlegen kann ist zur Zeit noch nicht so richtig zu sehen. Der Hafen von Eastermar ist zwar nicht klein, aber er hat nur zwei Gastliegeplätze am Eingang. Nebenan wird aber mit EU-Geldern ein großer Passantenhafen mit Strom geschaffen. Ein Kanalgeflecht wo man am Ufer anlegen kann.

Do 05 Oktober…Wieder ein neuer Tag. Das Wetter spielt mit. Wir fahren in das Bergumer Meer. Mitten durch verläuft der Prinses Margrietkanal. Auf diesen biegen wir in Richtung Groningen ein, dass auch unser Tagesziel sein soll. Ich bin überrascht das soweit im Landesinneren seegängie Schiffe gebaut werden. Ansonsten ist der Kanal ziemlich eintönig.
Um dieser Eintönigkeit zu entkommen biegen wir durch die Dorkwerdersluis in das Reitdiep ab. Der Anruf an der Schleuse über UKW klappt gut. Zügig wird die Schleuse bedient und wir sind von dem großen Kanal runter. Doch an der nächten Brücke ist erstmal Schluss. Ein imposantes Bauwerk, für das anscheinend niemand zuständig ist. Bei der angegeben Telefonnummer geht keiner ran und auch auf dem UKW-Kanal meldet sich niemand. Zum Glück bekomme ich den Schleusenwärter wieder auf UKW. Dieser telefonierte dann mit seinen Kollegen. 10 Minuten später wurde dann die Brücke doch noch geöffnet.

Wir standen vor den Toren von Groningen. Da wir nicht über den Hauptkanal gefahren sind müssen wir jetzt zur Strafe noch 12 Brücken nehmen. Ein bißchen Sorgen macht mir, dass dies zu lange dauert und die Brückenwärter vorher Feierabend haben. Zum Glück klappt jetzt der UKW Kontakt mit „Groningen Zentrale“. Die Eisenbahnbrücke wird extra für uns außer der Reihe geöffnet. Wir bedanken uns, aber der Grund war wohl, dass wir zu einem anderen Boot aufschließen können, so dass wir zu dritt alle Brücken nehmen können. Das klappt auch gut. Die Brücken gehen nacheinander auf und wir kommen zügig durch. Die letzten Brücken haben dann eine Höhe von 3,20 m, so dass mit unseren Mitfahrer überholen können. So landen wir doch noch rechtzeitig im Passantenhave JH Oosterhaven. Damit haben wir den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht. Ab jetzt geht es zurück. Am Abend machen wir noch einen Stadtbummel und landen zum Abendessen beim Italiener. Endlich mal wieder Pizza. Die haben draußen WErbung gemacht. Heute alle Pizza zum halben Preis. Nur den halben Preis zahlen wir in Deutschland eh nur. Für den vollen Preis hätten wir hier niemals eine Pizza gegessen.

Fr 06 Oktober…Wir haben hier einen halben Tag Pause. Peter nutzt den Aufenthalt hier um einen wichtigen geschäftlichen TErmin im nahen Deutschland wahr zu nehemn. Gestern abend wurde ihm ein Leihwagen an den Hafen gebracht. So hat er sich in der Frühe auf den Weg gemacht. Wir nutzen den Morgen um ordentlich zu duschen. Die sanitären Anlagen sind wirklich gut. Auch schaue ich mir nochmal genau den weiteren Weg auf der Karte und im Wateralmank an. Dabei faällt mir was Ärgerliches auf. Die Brücken auf der „Drentsche Hoofvaart“, über die wir fahren müssen, sind am Wochenende zu. Das bedeutet eine Zwangspause in Assen. Dadurch verlieren wir zwar einen Tag, aber wir haben genügend Luft. Nach dem Mittag kommt Peter wieder. Wir nutzen das Auto noch um mit den Kanistern zur Tankstelle zu fahren und den Tank voll zu machen, denn Benzin gibt es lange nicht mehr. Wir entschließen uns heute noch so weit wie es geht weiter zu fahren. Wir fahren ein Stück durch Gronigen zurück und biegen dann nach Süden auf den Noord Willems Kanaal ein. An der Spoorbrug, einer Eisenbahnbrücke müssen wir fast eine Stude warten. Diese wird nur zu bestimmten Zeiten geöffnet. Auch auf der weiteren Fahrt sind die Brücken und Schleusen ein Problem. Die Wärter müssen erst telefonisch gerufen werden und das kann dauern. Wir schaffen es gerde so bis zur Jachtwerf Beuving De Punt. Hier bekommen wir wenigstens Strom, wobei der Kasten eher an das vorherrige Jahrhundert erinnert. Die Duschen und das WC beschreibe ich besser nicht. Wir haben auf den Gebrauch verzichtet. Hier gibt es aber einen klasse Bootzubehör Laden. Wir haben gleich ein paar Teile erworben.

Sa 07 Oktober…Das gleiche Spiel. Wir stehen vor der Sluis De Punt und sie hat Doppelrot. Obwohl sie laut Water Almanak geöffnet haben müsste und wir uns angenmeldet haben, kommt der Schleusenwärter erst eine halbe Stunde später. So haben wir Zeit einen Cappucino zu trinken. Wir haben zwar jede Menge Zeit, weil für uns in Assen eh Schluss ist, aber so blöd rumstehen ist irgendwie doof. Die nächsten Brücken sind dann kein Problem und so landen wir relativ früh im Passantenhaven von Assen. Hier ist die Enttäuschung erst mal groß. Es gibt keinen Strom. Das war zwar aus der Karte zu erahnen, aber wir hatten trozdem gehofft, dass die Info in der Karte einfach nur fehlte.

So haben wir uns erst mal auf den Weg zum Einkaufen gemacht. Man hat uns zu einem Einkaufszentrum geschickt. Das war ein ordentlicher Fußmarsch. Der Passantenhafen liegt ganz ungünstig am Ende vom Assen, weit weg vom Centrum in einem Wohngebiet. Alles Käse hier.

Da wir auch den morgigen Tag hier verbringen müssen und in die Stadt wollen. Und da der Hafen eh keinen Strom hat und sehr weit weg ist, beschließen wir mit den Booten nach Assen rein zu fahren. Dort gibt es laut Karte einen Wasserrastlatz. Also starten wir die Maschinen und fahren los. Die erste Brücke ist noch kein Problem. Sie wird per Knopfdruck von uns selbst geöffnet. Aber die nächste Brücke geht nicht auf. Kein Mensch weit und breit. Auf der Telefonnummer geht nur ein Anrufbeantworter dran, den wir nicht verstehen. Selbst Passanten die wir fragen können uns nicht sagen, was uns der Anrufbeantworter sagen will. So begeben wir uns zum Brückenhäuschen. Hier sehen wir durch das Fenster einem Zettel auf dem Telefonnummern vom Wartungsnotdienst stehen. Peter wählt die Nummer und hat tatsächlich irgendeinen Mechaniker dran. So richtig weis niemand ob die Brücke um diese Jahreszeit überhaupt geöffnet wird, aber laut Wateralmanak ja.
Es gelingt Peter tatsächlich nach mehreren Telefongesprächen, dass der Brückenwärter kommt. Er entschuldigt sich bei uns. Unser Anruf auf die Nummer an der Brücke geht auf seinen Pieper. Da von unserem deutschen Handy keine Nummer gesendet wird hat er nicht reagiert. Wir verabreden uns wieder mit ihm für Montag Morgen 8:00 Uhr. Denn wir müssen hier wieder zurück. So kommen wir doch noch nach Assen rein.
Hier gibt es die zweite Enttäuschung des Tages. Der Wasserrastplatz entpuppt sich als altes Hafenbecken mit rostigen Spundwänden im Industriegebiet. An einem so hässlichen Platz haben wir noch nie gelegen.

Wenigstens waren es von hier aus nur noch 700m bis zum Zentrum. So sind wir dann abends zum Chinesen gegangen. Die hatten schön geschnitzte Figuren auf dem Teller. Eigentlich zu schade zu essen. Abends hat uns Marina Cocktails gemixt. Unser Sommergetränk war hier selbst gemachte Pina Colada.

So 08 Oktober…Da wir ja heute Zwangspause hatten war Zeit genug uns mal die Stadt näher anzuschauen. Assen ist ja bekannt für den Motorradsport. Das Einzige was man davon merkt ist eine Skulptur im Zentrum. Das Zentrum ist kreisförmig angeordnet, so dass wir ein paar Runden laufen konnten. Die Stadt ist zwar ganz nett, aber man muss hier nicht unbedingt her kommen. So sind wir schnell wieder aufs Boot zurück, wo wir den Rest des Tages mit Boote putzen und aufräumen verbringen. Ein letzter Blick auf das trostlose Hafenbecken, dass wir morgen endlich wieder verlassen können.

Mo 09 Oktober…Um 7:40 verlassen wir den Hafen. Es ist ein traumhafter Sonnenaufgang. Hoffentlich hat der Brückenwärter uns nicht vergessen und steht an der Brücke? Und es klappt. Punkt acht geht die Brücke auf und wir machen uns auf dem Weg durch die Drentsche Hoofdvaart. Es ist ein strammer Zeitplan. Wir wollen die ca. 50 km heute schaffen. Unser Tagesziel ist Meppel. Die Tour ist bei den Brückenwärtern angemeldet und wir sind gespannt wie das funktioniert.
Die Drentsche Hoofdvaart ist ein abwechselungsreicher, kleiner beschaulicher Kanal. Es macht Spaß hier lang zu fahren. Die teilweise sehr kleinen Schwenkbrücken werden von Brückenfrauen bedient, die aus dem Haus gerannt kommen, um uns die Brücke zu öffnen. Das ist alles sehr familiär.

Zwischen durch gibt es immer wieder Schleusen, die alle noch mit der Hand bedient werden. Eine gemütliche Fahrt, bei strahlendem Sonnenschein. Das Bedienpersonal fährt die Strecke mit dem Auto neben her und öffnet immer die nächste Schleuse oder Brücke. Sie haben immer ihren Bezirk. An der Grenze wartet dann schon das nächste Bedienpersonal um uns zu übernehmen.

Das klappt so perfekt, dass meist schon die Brücke aufgeht während wir ran fahren, so dass wir nicht mal vom Gas gehen müssenn. So gelingt es uns um ca. 16:30 schon in Meppel zu sein. Wir fahren am Jachthafen „Pro Aqua Yachting vorbei“, der uns nicht gefällt und laufen den Passantenhafen an. Wir bekommen dort einen guten Liegeplatz direkt am Eingang zur Stadt. Nur die Duschen sind am anderen Ende des Hafens, aber alles ordentlich und sauber.

Vor uns liegt die Brücke mit der Stadtschleuse. Im Innenbereich gibt es ein großes Hafenbecken mit mehreren Stichkanälen. Überall sind Liegeplätze mit Stromkästen. Im Sommer, wenn die Schleuse in Betrieb ist, wird hier wahrscheinlich die Hölle los sein. Meppel ist auch ein lohnendes Ziel. Es gibt hier viel Schiffsbau. Durch seine zentrale Lage als Knotenpunkt ist es auch das Endziel vieler Frachter, die vom Ijsselmeer kommen. Meppel hat auch sehr viele Einkaufsstraßen und wir nutzen auch hier wieder die Gelegenheit Vorräte zu bunkern. Gegessen wird heute aber mal an Bord.

Di 10 Oktober…Wir verlassen Meppel relativ spät. Warum auch immer haben wir uns heute morgen einfach zuviel Zeit gelassen. Ich war noch in der Stadt Brötchen holen und habe dabei noch für Petra eine Makrele gekauft, die ich leichtsinniger Weise gestern Abend versprochen hatte. Ich bin durch halb Meppel gelaufen um einen Fischhändler zu finden. Es geht gleich auf die Hoogeveensche Vaart nach Hoogeveen und von dort in die Verlengde Hoogeveensche Vaart. Ein strammes Programm, vor allem weil die letzte Brücke um 17:00 Feierabend macht.
Bei der Ausfahrt aus Meppel können wir sogar Störche beobachten. Ein Zeichen dafür, dass hier die Welt noch in Ordnung ist.

Die Hoogeveensche Vaart ist relativ eintönig. Nur an der ersten Brücke war es sehr spannend. Laut Karte hätte ich darunter durch passen müssen. Der Wasserstandsanzeiger an der Seite hat mich aber skeptisch gemacht. So haben wir uns zentimeterweise vorgetastet, bis von Marina das Kommando kam „Volle Kraft zurück“. Es fehlten einfach ein paar Zentimeter. Da hätte mich den Suchscheinwerfer gekostet. In der Zwischenzeit ist aber auch schon die Brückenwärterin gekommen. So war die Brücke 5 min später auf.
Es gab wenig zu tun auf der Fahrt. So war für Petra Zeit genug die Makrele zu verputzen. Nur ab und zu eine Schleuse unterbrach die Eintönigkeit. Die Brücken auf diesem Stück waren alle hoch genug.

Spektakulär war dann die Einfahrt in die Verlengde Hoogeveensche Vaart. Ein grüner Wasserlinsenteppich erwartete uns. Hier wurde der Kanal wieder deutlich schmaler. Der viele Müll der bewegugnslos in dem grünen Teppich lag, lies dieses Stück ein wenig gespenstisch aussehen. Nach der nächsten Schleuse wurde das mit den Wasserlinsen aber wieder deutlich weniger.
Hier auf dem Kanal gibt es alle paar Kilometer solch merkwürdige Geräte. Wir vermuten Fallen, aber für was genau ist uns unbekannt.

Die Fahrt hier hatten wir auch wieder angemeldet, damit die Brückenwärter bereit stehen. Bis auf wenige Ausnahmen war das auch perfekt. Einmal musste ich mich auf die Suche nach der Brückenfrau machen. Als ich mich dann entschlossen hatte die Drehbrücke selbst zu öffnen, kam ein freundlicher Nachbar und hat sie uns aufgemacht.
Das mit den Brücken lief sogar dann so perfekt, dass wir uns nicht mehr getraut haben anzuhalten, obwohl dort eine Tankstelle war, da die Brücke schon aufging. Trotz allem haben wir es nicht rechtzeitig geschafft. Heute morgen sind wir einfach zu spät losgefahren. Die letzte Brücke war schon geschlossen. Idiotischerweise hätten wir noch durch die Eisenbahnhebebrücke fahren können, doch die dahinter liegende Straßenbrücke hatte schon Feierabend. Dazwischen zu liegen machte keinen Sinn, da es dort keine Anlegestelle gab. Unser richtiger Rastplatz war nur 300m weg, aber wir kamen nicht mehr hin.

Auf den letzten 10km sind wir hinter einem Holländer her gefahren. In der Hoffnung, dass er weis was er tut und die Brücke vielleicht doch noch auf hat. Das war ein Irrtum. Er hat auch dort am Ufer festgemacht, ist in sein Auto gestiegen und weg gefahren. So blieb uns nichts anderes übrig als am Ufer mit unseren Metallheringen fest zu machen. Es war hier sehr steil und nass, da es wieder an fing zu regnen.
Hier habe ich dann aber wenigstens einen Aal gefangen. Es war der Einzige des gesamten Jahres, gefangen auf Köderfisch.

Mi 11 Oktober…Am Morgen war erst mal wieder telefonieren angesagt. Die Eisenbahnbrücke war kein Problem, da dort ein Buzzer war, aber an der Straßenbrücke war natürlich kein Mensch. So hat es 15 min gedauert bis wir weiter konnten. Vorbei geht es hier in Nieuw-Amsterdam am Vincent van Gogh Huis. In diesem Ort lebte er 1882 ein paar Monate lang.
Auf dem weiteren Weg hatten wir an zwei Brücken etwas Wartezeit. An der Ersten mussten wir warten, weil der Brückenwärter auch der Schleusenwärter ist und an der nächsten Schleuse erst ein Berufsschiff geschleust hat, das uns dann an der Brücke entgegen kam. Bei der Zweiten sind wir schlicht vergessen worden. Die Schleuse war zwar auf, nur die Brücke nicht. Erst nach dem dritten Telefonat kam endlich einer. Ohne den Infos aus dem Wateralmanak 2 ständen wir wahrscheinlich jetzt noch da.

Der weitere Weg verlief dann wieder reibungslos. Die weiteren Brücken öffneten prompt. Die Fahrt auf diesem Stück Kanal und durch Coevorden war abwechselungsreich und interessant. Nach Coevorden war mein Kartenmaterial dann am Ende. Es gibt keine ANWB Karte für den Bereich Coevorden-Almelo-Gelderse Ijssel. Jetzt helfen nur die Minikarten im Wateralmanak und der Marco Polo Routenplaner.
Vor Almelo dann die nächste Pleite. Trotz gegenteiliger Aussage im Wateralmanak bleibt die Brücke zum Stadthafen verschlossen. Es ist halt schon Oktober. So fragen wir im Jachtclub vor der Brücke. Angeblich weis hier niemand etwas. Wir erhalten hier einem Liegeplatz für die Nacht und werden süffisant gefragt, ob wir den fahren wollen bis Eis auf dem Wasser ist. Von hier ist es noch ziemlich weit bis in die Stadt. Aber was wollen wir machen?

Wir machen uns also zu Fuß auf den langen Weg bis in die Stadt. Da kommen wir auch am Stadtafen von Almelo vorbei. Er liegt wirklich sehr schön zentral, aber für uns unerreichbar.
Zuerst gibt es mal ein verspätetes Anlegebier. Für Peter das Große und für Petra das Kleine. Peter hat halt immer viel Durst.

Nach dem Einkaufen gehen wir heute zum Essen auf ein Pannenkoeken Schiff. Viele größere Städte in Holland am Wasser haben so ein Schiff. Das wollen wir heute auch mal ausprobieren. Das Schiff ist sehr schön aufgemacht und gemütlich. Die Pannenkoeken allerdings waren nicht so doll. Das haben wir schon besser gegessen. Aber man muss alles ja mal ausprobieren.
Nach dem Essen haben wir uns dann ein Taxi bestellt. Der Taxifahrer hat noch zwei extra Schleifen gefahren. Aber mit Trinkgeld hätte er genauso viel bekommen, wie wenn er den direkten Weg genommen hätte.

Do 12 Oktober…Heute soll es wieder in Zutphen auf die Gelderse Ijssel gehen. Vorher müssen wir aber noch über den Twentekanaal. Dies ist ein von der Berufsschiffahrt viel befahrener breiter Kanal. Dort wird jede Menge gebaut. Der Kanal wird verbreitert und neu befestigt. Es ist zwar schwierig sich auf dem Kanal zu verfahren, aber um zu wissen wo man ist tut es auch der Marco Polo Routenplaner. Er sollte dazu dienen uns eine Straßentankstelle nahe am Wasser zu zeigen. Aber die von Petra versprochene Tankstelle war nicht da oder vom Wasser nicht wirklich gut zu erreichen. So wurde es langsam zur Gewissheit, dass wir eine teure Bootstankstelle anlaufen müssen.

Dann haben wir es geschafft. Die letzte Schleuse vor der Ijssel wird passiert. Da das Tor nach oben aufgeht, gab es eine schöne Dusche von oben. Ohne Verdeck möchte ich hier nicht durchfahren. Auf der Ijssel konnten wir dann einen dicken Passagierdampfer beobachten wie er sich durch die Eisenbahnhebebrücke bei Zutphen zwängt.

Unser geplantes Tagesziel war der Hafen von Zutphen. Da es aber noch früh war und wir so schön am Gleiten waren sind wir einfach noch ein Stück weiter gefahren. Ohne Gleitfahrt wäre es mühsam gewesen so gegen die Strömung anzufahren, da hier etwas Hochwasser war. Auch mit Berufsschifffahrt ist auf der Ijssel immer zu rechnen. Das ist teilweise schwierig, da die Ijssel oft schmal und kurvenreich ist. Man weis von weitem oft nicht an welcher Seite man vorbei fahren soll.

Unser Tagesziel war jetzt der Jachthaven Dorado Beach. Dieser besitzt auch eine Wassertankstelle. In Gleitfahrt sind wir an einer Gierseilfähre vorbei gefahren. Ich hatte zu spät gesehen, dass sie schon los gefahren war und wollte nicht mehr stoppen. Das hat uns wüstes Geschimpfe über UKW eingebracht. Wir hatten schön befürchtet, dass er uns die WaPo auf den Hals hetzt.
Bei der Anfahrt zum Jachthafen sind wir zuerst an der Einfahrt vorbei gefahren. Genau an dieser Stelle fehlen der Ijssel 5 Kilometer. Nach Flusskilometer 910 kommt gleich 905. Bei km 910 haben wir gedacht noch 5 km, aber plötzlich war die Einfahrt da. Ein genauerer Blick in die Karte klärt die Verwirrung. Nach dem ultrateuren Tanken liegen wir nun am Ende des Steges. Die Wassertanken in Holland sind immer astronomisch teuer. Hier waren es 1,43 Euro/l. So kurz vor Deutschland tut das besonders weh.
Der Hafen liegt in einem ruhigen Seitenarm und hat einen angrenzenden Campingplatz. Die Ausstattung hier ist mit Pool, Restaurant, Lebensmittelladen und diverser Freizeitangebote luxuriös. Auch über den Sanitärbereich gibt es keine Klagen. Nur im Sommer vermute ich wird hier der Bär los sein.

Fr 13 Oktober…Wir sind schon soweit gekommen, dass wir beschlossen haben heute bis Duisburg durch zu fahren. Das bedeutet mehrere Stunden auf dem Rhein. Mir persönlich macht der Rhein keinen Spaß und ich bin froh als wir endlich fast wohl behalten in Duisburg am Steg liegen. Sie sage extra „fast“, denn als ich am Eingang vom Innenhafen vom Gas gegengen bin, hat der Antrieb angefangen zu klackern. Die nächste teuere Reparatur steht im Frühjahr also schon wieder an. Dann ist aber auch alles an Technik auf dem Boot erneuert.

Wir lassen uns trotzdem die Freude nicht nehemn und gehen am letzten Abend noch mal richtig Essen. Der neue Duisburger Innenhafen bietet dazu ja jede Menge Möglichkeiten. Es war ein schöner und oft aufregender Törn. Wir hatten mit dem Wetter wirklich viel Glück. Um aber durch die Provinzen in Holland zu fahren, war es doch teilweise etwas spät im Jahr. Die Häfen waren zwar frei, aber die Brückenzeiten sind doch schon sehr eingeschränkt. Es sollte doch schon noch der September sein. Jetzt wird erstmal wieder an was anderes, als Boot gedacht. Marina freut sich schon auf den Skiurlaub und wir haben jetzt auch mal wieder Wochenenden, die wir zu Hause verbringen können. Hier ist doch einiges liegen geblieben.

Das war es. Noch ein letzter Blick auf den Hafen und die Saison 2006 ist zu Ende.