Von Duisburg nach Lemmer 26.05.05 – 17.07.05

In der Zeit wo wir nun in Duisburg, wegen Motorschadens an Peters Boot, festliegen kommt wenigstens das Boot unserer Eltern in Wasser. Sie haben einen Jahresliegeplatz im Yachthafen De Brekken in Lemmer gemietet. Da wir selbst nicht fahren konnten, hatten Peter und Petra versprochen, auf dem Boot der Eltern nach Lemmer mit zu fahren, damit falls Unterwegs was passiert Hilfe dabei ist. Wir wollten sie dann mit dem Wohnmobil in Lemmer abholen. Dieser Plan sollte am langen Wochenende Do 26 Mai 2005 starten. Wegen technischer Defekte am Boot der Eltern wurde auch dieser Plan nicht realisiert. In den Wochen, die so dahin gingen, reifte in uns eine völlig neue Idee. Jetzt wollten wir nicht mehr direkt an die Mosel. Der neue Plan war: Wir fahren mit unseren Booten auch nach Lemmer. Dort verbringen wir die Zeit bis zum Sommerurlaub. Dann fahren wir über die Maas, nach Belgien, dann nach Frankreich über den Canal de L’est in die Mosel. Über Luxemburg kommen wir dann irgendwann doch in Burgen an. Diesen Plan konnten wir dann trotz erheblicher technischer Schwierigkeiten umsetzen.

Die Liegezeit unseres Bootes in Duisburg haben wir natürlich auch genutzt. Da Duisburg nur ca. 50 km von unserem Wohnort weg liegt, war es kein Problem am Boot zu arbeiten. Viele Teile wurden getauscht. Das Schlimme ist, dass wenn man einmal anfängt, man nicht wieder aufhören kann. Da wir einen leichten Fäkalgeruch an Bord hatten und die Pumpe nicht mehr ganz dicht war, haben wir die Fäkalienpumpe getauscht. Dazu noch alle Fäkalienschläuche. Das Verlegen war gar nicht so einfach. Bei der Gelegenheit habe ich auch gleich die Toilette getauscht. Bei der Aktion ist der 110/220V Trafo kaputt gegangen. Da ich jetzt keine 110V mehr hatte, war das alte Batterieladegerät unbrauchbar. Also ein neues 30A Ladegerät gekauft. Die Dinger sind ganz schön teuer. Dazu noch das Verlegen der Leitungen. Bei einem der Dachfenster ist der Hebel abgebrochen. Dadurch war das Fenster undicht. Also auch ein neues Dachfenster eingebaut. Der Kocher, der auf dem Berlintörn kaputt gegangen ist wurde neu bestellt. Dazu dann noch eine neuer Blower und neue Batterien. Das war dann auch wirklich genug Arbeit für die 6 Wochen Zwangspause. Vor der Weiterfahrt sind dann noch zwei neue Fahrräder an Bord gekommen. Von dem was dann noch kommen sollte habe ich bis dato zum Glück noch nichts gewusst.
Auch beim Kartenmaterial wurde noch mal kräftig nachgelegt. Das Buch „Der Rhein“ von Manfred Frenzl wurde gekauft. Dazu kamen noch die digitalen AWNB-Wasserkarten der Niederlande für das Notebook.

Von Hitdorf nach Duisburg

Am Mo 16 Mai 2005 war es soweit. Das Boot unserer Eltern wird zum Hitdorfer Hafen gebracht und ins Wasser gekrant. Es ist eine Fairline 32 Sedan mit dem Namen Phönix. Ds Boot war im Winterlager teilrenoviert worden. Die Innenverkleidungen wurden teilweise erneuert. Die Motoren wurden neu gelagert. Vorne wurde eine Bugschraube eingebaut. Ein neues Echolot und UKW-Funkgerät wurde eingebaut. Viele andere Details wurden auch noch gemacht. Auf jeden Fall waren die Eltern den Winter über fast ständig auf dem Boot.

Jetzt liegt das Boot für knapp über einer Woche im Hitdorfer Hafen. Der Skipper hat nun Zeit das Boot reisefertig zu machen.

Am 26 Mai 2005 war es dann soweit. Die Phönix mit den Eltern und Petra und Peter an Bord legt ab. Wir haben ihnen dann noch eine Weile nachgeschaut. Jetzt wollten wir eigentlich zur Marina Duisburg fahren und ihnen mit unserem Boot ein Stück entgegen kommen. Nach dem Tanken geht es bei ihnen weiter. Wir wollten dann in Duisburg übernachten und dann am nächsten Morgen mit dem Wohnmobil hinter ihnen her. Da Peters Boot immer noch mit defektem Motor in Duisburg liegt ist es mir einfach zu risikoreich mit unserem Boot mit nach Lemmer zufahren, da mein Vater in Lemmer bleibt und wir zu diesem Zeitpunkt immer noch an die Mosel wollten. Na ja, Kaffeetrinken auf dem Boot in Duisburg ist ja auch ganz nett.
Aber soweit ist es gar nicht gekommen. Kurze Zeit später gab es einen Anruf. Die Phönix kam nicht ins Gleiten. Kavitation ab ca. 4000 Touren. Also nach Absprache mit dem Service zurück nach Hitdorf. Die Klaue zur Steuerung des Backbordantriebs wird nicht sauber vom Lenkhebel mitgenommen. Daher stehen unter Last die Antriebe gegeneinander. Am Freitag kommt der Service und repariert den Fehler. Dann kann am Samstag ein neuer Anlauf gestartet werden.

Das ein Schlauch abgesprungen ist und die Druckwasserpumpe unbemerkt den frisch gefüllten Wassertank in die Küche entleert hat ist dagegen Peanuts. Die Bugbilgenpumpe hat das sauber wieder rausgepumpt und Betty sieht es locker, auch wenn sie den Küchenschrank ausräumen musste und der Teppich gewässert wurde. Bei diesem Wetter – kein Problem.

Am Samstag haben wir dann der Phönix zum zweiten Mal hinter her gewunken. Sie sind sogar bis Duisburg gekommen. Aber nach dem Tanken ging die Temperatur der Backbord Maschine hoch. Die Wasserpumpe hat sich verabschiedet. Angeblich war diese im Winterlager neu gelagert worden. An ein Weiterfahren war jetzt nicht mehr zu denken. Also wieder den Monteur angerufen. Aber für diesen Maschinentyp ist es nicht so einfach ein Ersatzteil zu bekommen. Da Peters Boot nun einen neuen Motor bekommt und dieser erst bis zum 17.06.05 eingebaut sein soll. Haben wir nun beschlossen am 18.06.05 mit drei Booten nach Lemmer zu fahren. Die Fahrt zur Mosel wurde gecancelt. Bis dahin war auch die Wasserpumpe repariert.

Weiter Richtung Lemmer

Fr. 17. Juni 05 Das Pech geht weiter. Peters Boot ist zwar soweit fertig, aber bei der Probefahrt ist Wasser in den Motorraum eingedrungen. Schuld hatte aber altersbedingt eine Undichtigkeit an der Abstützung der Badeplattform im Unterwasserbereich. Da Herr Michels freitagnachmittags keine Zeit mehr hatte eine „Schnellreparatur“ zu machen, konnte er sein Boot wieder nicht übernehmen. Da ich aber mürbe von der langen Wartezeit war, beschlossen wir zu sechst mit erstmal zwei Booten nach Lemmer zu fahren. Peter und Petra sollten dann am nächsten Wochenende ihr Boot nachholen.
Nun ging’s erstmal los. Alles lief wunderbar. In Gleitfahrt sind wir den Rhein hinunter. Plötzlich vor Emmerich gab ein kreichendes Geräusch und unser Boot stand. Und das Mitten auf dem Rhein. Zum Glück waren in unmittelbarer Nähe gerade keine Frachter. Per Funk habe ich meine Vater heran gerufen und eine Leine bereit gemacht. Wir waren gerade vor dem Yachthafen Emmerich. Per Funk den Hafenmeister gerufen, der uns gleich zur Werkstatt gelotst hat. Da liegen wir nun und warten auf den Monteur.

Nachdem der Monteur ein paar Tests gemacht hatte war klar. Das Boot muss aus dem Wasser und der Motor nachgeschaut werden. Wir haben dann unsere Sachen auf die Phönix geladen und sind dann zu sechst mit nur einen Boot weitergefahren. Irgendwie müssen wir nach Lemmer, denn da steht das Wohnmobil, dass wir vorab dort abgestellt haben. In Hitdorf hatte der Service ja die Antriebe nachgestellt und war der Meinung alles wäre i. O. Das Boot kommt ins Gleiten, jedoch nur mit Vollgas. Mir beiden Hebeln auf dem Tisch gibt es dann starke Vibrationen und mehr wie 4000 Touren erreichen beide Motoren nicht! Das heißt die Antriebe stehen immer noch nicht richtig!
Das Pech ist aber noch nicht vorbei. Auf der Weiterfahrt ging die Spannung immer weiter. Kurz vor Kampen war die Spannung gefährlich niedrig, so dass wir uns entschlossen haben im Yachthafen Seveningen bei Kampen zu übernachten. Da war auch gut so, denn beim Anlegen ist dann die Backbordmaschine ausgegangen. Motorraum auf – und schon war zu sehen das die BB-Maschine massiv Öl verloren hatte. Also nachgeschaut. Tatsächlich haben 3,5 Öl gefehlt. Diese haben wir dann nachgefüllt. Der Motor läuft, neigt jedoch zum Absterben. Es muss noch geklärt werden ob ein Schaden entstanden ist. (Beide Maschinen wurden in einen Fachbetrieb über den Winter ausgebaut, abgedichtet!! und da wo es nötig war, neu gelagert).Da erscheint die Undichtigkeit an der Benzinpumpe am neu abgedichteten Steuerbordmotor doch wie Peanuts.

Hab Samstag am späten Nachmittag noch mit dem Monteur gesprochen. Er hatte das Boot schon raus und den Motor ausgebaut. Es war jetzt klar, dass der Motor Schrott war. Ein Neuer muss her. Wir haben vereinbart am Montag noch mal miteinander zu sprechen. Mit Verdrängerfahrt bei 2000 Touren sind wir dann mit der Phönix am Sonntag nach Lemmer gefahren.
Nach dem ich Sonntagabend wieder zuhause war, habe ich mich gleich an den PC gesetzt und einen neuen Motor gesucht. Ich bin auch fündig geworden. Ein neuer 5,7L V8 Vortec Motor mit 310 PS war es. Diesen habe ich gleich Montag abgeholt und nach Emmerich zur Werkstatt gebracht. Der Monteur versprach mir diesen schnell einzubauen. So hatte ich die Hoffnung, dass es am nächsten Wochenende weitergehen konnte. Da aber ein paar Kleinteile noch fehlten, hat es eine Woche länger gedauert. Da das Boot aus dem Wasser war habe ich noch schnell ein neues Echolot einbauen lassen.

Am Fr 01. Juli konnten wir unser Boot von der Werkstatt abholen. Der Geschäftsführer machte einen sehr kompetenten Eindruck und ich hoffe der Motor hält jetzt eine Weile. Wir sind dann gegenüber in den Yachthafen gefahren und sind anschließend auf dem Restaurantschiff Essen gewesen. Die Gastronomie hat ein sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis. Nach ein paar Bier haben wir dann auf dem Boot übernachtet.
Nachdem Peter am Samstag Morgen auch mit neuem Motor von Duisburg aus losgefahren ist, haben wir uns dann um 13:00 auf dem Rhein bei Emmerich getroffen und sind weiter Richtung Gelderse Ijssel zu unserem Tagesziel Kampen. Die Fahrt war problemlos. Nur bei den Gierseilfähren muss man aufpassen. Wenn diese losfahren muss man aufpassen auf welcher Seite man vorbeifährt.

Wir wollen wieder an der gleichen Stelle übernachten wie vor zwei Wochen. Da unser Motor noch eingefahren werden muss, konnten wir nicht so schnell fahren, so dass wir erst um 21:00 in Kampen ankamen. Da ich uns telefonisch angemeldet hatte, wurden wir schon vom Hafenmeister empfangen Da nur ein Platz frei war mussten wir in Päckchen. Am Abend haben wir auf die erste problemlose Etappe seit langem noch etwas gefeiert. Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen, da wir um acht Uhr weiter wollten.

Das Aufstehen war dann nicht so einfach. Petra und Peter schauen noch nicht so fröhlich. Pünktlich um 8:00 haben wir wieder abgelegt in Richtung Lemmer. Auf der Ijssel und im Ketelmeer waren wir um die Uhrzeit ganz allein unterwegs. Erst kurz vor Ijsselmeer waren auch ein paar Segler auf dem Wasser. Für die Navigation nehme ich WinGPS 4 mit den digitalen ANWB Binnenwasserkarten. Das geht super. Der rote Pfeil zeigt meine Position und die verlängerte Linie zeigt meine Fahrtrichtung, so dass ich die rote Tonne blind ansteuern kann. Auf dem GPS sieht man dann die Durchfahrt vom Ketelmeer ins Ijsselmeer.

Auf dem Ijsselmeer hatte mein Motor die 10 Betriebsstunden gelaufen und ich habe vorsichtig dann mal etwas Gas gegeben, so dass wir ein kurzen Stück mal bei max. 3500 upm geglitten sind. Peter konnte mehr Gas geben denn er hatte ja schon zwei Stunden mehr gefahren. Der Wellengang war noch einigermaßen moderat, so dass der Spaßfaktor hoch war. Das neue Echolot Eagle Cuda 240i/ GPS ist wirklich klasse. Es zeigt neben Tiefe auch die GPS-Geschwindigkeit, die Wassertemperatur, gefahrene Zeit, Durchschnittsgeschwindigkeit, gesamt Kilometer etc. Absolut Top. Der Motoren laufen super. So waren wir gegen 11 dann in Lemmer, wo uns unsere Eltern schon erwartet haben. Da Peter und Petra heute noch nach Stuttgart wollten, haben wir nur die Boote festgemacht und sind gleich nach Hause. Vor Ort wird diese Woche noch der Ölwechsel gemacht. Dann sind die Motoren hoffentlich voll einsatzbereit.

Rund um Lemmer

Am Fr 08 Juli sind wir wieder in Lemmer. Ein schönes ruhiges Wochenende steht uns bevor. Der neue Kocher war angekommen und konnte eingebaut werden. Endlich der Schandfleck in der Küche weg. Damit der Einbau klappte musste ich in Lemmer noch schnell eine Stichsäge kaufen, da der Ausschnitt nicht gereicht hat.

Samstag dann der erste gemeinsame Ausflug mit drei Booten auf der Groote Brekken. Hier läuft der Princess Margriet Kanal durch. Es ist hier auch einiges an Berufschifffahrt unterwegs. Das erste Mal, dass wir einfach Boot fahren konnten ohne unbedingt irgendwo ankommen zu müssen. An einer Insel haben wir dann „freiwillig“ zum Picknick angelegt und nicht weil uns die Technik dazu gezwungen hat. Hier haben wir den sonnigen Tag genossen.

Abends zurück im Hafen wurde noch sehr gemütlich an Bord der „Southern Comfort“. Nach ein paar Grolsch und der einen oder anderen Runde Averna, gab’s dann Schlagermusik!! vom Notebook. War echt ein toller Abend mit unseren Eltern. Spät abends haben sie sich aufs Fahrrad geschwungen, denn sie langen am anderen Ende des Caravanparks.

Fr 15 Juli 05. Sind leider wieder viel zu spät in Lemmer angekommen. Haben im Hafenrestaurant noch schnell was gegessen. Die Qualität des Essens war mies. Marinas Pizza war sogar so mies, das Sie mit Einverständnis der Küche nicht bezahlen brauchte. Peter’s Schollenfilet war auch nicht der Hit, einzig die Spear-Ribs von mir und Petra waren zwar leicht angekokelt, aber genießbar. Na ja was soll´s . . . Der Sonnenuntergang über dem Hafen hat uns dann wieder entschädigt.

Der Ölwechsel ist gemacht. Heute wollten wir mit den neuen Motoren auf den Tjeukemeer endlich den Hebel auf den Tisch legen. Dann hat wieder die Technik gestreikt. Zum Glück nicht bei uns. Die Brücke hatte keinen Strom und es ging nicht weiter. Neuer Plan. Wir sind umgekehrt um über Sloten ins Slotermeer zu fahren. Dort gibt es auch eine Schnellfahrstrecke. Die Brücke in Sloten ging zum Glück für Zwei Euro auf. Danach waren es nur noch 2 km.

Dann war es endlich soweit. Mit Vollgas ging es mehrere Runden über den See. Der Motor läuft klasse. Das Gefühl einen neuen Motor zu haben ohne Angst eines Schadens ist ein gutes Gefühl. Bettys Bruder, der mit seiner Frau, bei den Eltern zu Besuch war hat die ganze Fahrt gefilmt und uns einen klasse Film daraus gemacht.

Auf die erfolgreiche Fahrt gab’s erstmal ein Bier. Das Sloter Meer ist ziemlich flach, so dass nicht manchmal etwas skeptisch aufs Echolot geschaut habe. Aber überall war’s doch tief genug. Auf dem Rückweg von Sloten zu unserer Insel lässt Peter es gemütlich angehen. Diese Nacht wollen wir auf der Insel bleiben

Unsere Eltern sind mit ihrem Boot schon auf der Insel geblieben und hatten schon das Bier vorbereitet. Bei schönem Wetter haben wir gegrillt und ein paar Bier und Verstärker getrunken. So kann der Sommer weiter gehen. Am späten Abend habe ich dann per UTMS noch einen Bericht ins Boote-Forum eingestellt. Es ist schon Wahnsinn was die Technik alles ermöglicht wenn sie denn funktioniert.

Auf der Rückfahrt am Sonntag durfte Petras Nichte auch mal ans Steuer. Petra, die übrigens die meisten Bootsführerscheine von uns allen hat, gibt ihr gerade Fahrunterricht.
Das ist jetzt das Ende des Berichts. Wir bereiten uns jetzt auf den Sommerurlaub vor. In 2 Wochen wollen wir unseren großen Törn über den Belgien Frankreich und Canal De L’Est in die Mosel starten. Auch dann gibt’s wieder eine Menge kostenintensiven Ärger. Aber mittlerweile kann uns nichts mehr schocken.